Berlin - Immer mehr Eltern und ihre Kinder in Deutschland leiden unter Hektik und Zeitmangel in der Familie.

Der Anteil der Eltern, die sich durch Zeitstress stark belastet fühlen, stieg innerhalb von vier Jahren von 41 auf heute 46 Prozent. Kinder gestresster Eltern fühlen sich dabei deutlich häufiger gesundheitlich beeinträchtigt.

Insgesamt sind aber 93 Prozent der Eltern mit ihrem Familienleben zufrieden, zeigt die am Donnerstag in Berlin vorgestellte AOK-Familienstudie 2014. "Zwei Drittel der Eltern fühlen sich auch gesundheitlich sehr gut", sagte AOK-Chef Jürgen Graalmann. Der Anteil der Eltern mit finanzieller oder psychischer Belastung sank im Vergleich zur Vorgängererhebung deutlich auf 28 beziehungsweise 25 Prozent.

Graalmann machte die gute wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland als Ursache aus. Sorgen bereiten den Studienautoren der zunehmende Stress. "Gestresste Eltern haben häufiger Kinder mit gesundheitlichen Beschwerden", sagte Graalmann. Insgesamt zeigt jedes fünfte Kind in Deutschland laut Studie regelmäßig Beschwerden wie Gereiztheit, Einschlafstörungen, Bauch- oder Kopfschmerzen. 24 Prozent der Eltern, die sich zeitlich stark belastet fühlen, haben Kinder mit solchen Beeinträchtigungen. Bei Eltern mit wenig zeitlicher Belastung sind es nur 16 Prozent.

Helfen könnten laut Studie verlässliche Kinderbetreuung, die Chance, zuhause zu arbeiten, und flexible Arbeitszeiten. So haben Eltern, die sich als gesund bezeichnen, zu 57 Prozent die Möglichkeit, flexibel zu arbeiten. Bei Eltern mit schlechtem Gesundheitszustand sind es nur 38 Prozent.

Eltern sollten auf sich achten, Zeit in der Familie verbringen und breite soziale Netze aufbauen, riet die Hamburger Gesundheitspsychologin Ulrike Ravens-Sieberer. Besonders wichtig auch für die Gesundheit der Kinder sind laut Experten feste Regeln und Routinen wie gemeinsame Mahlzeiten, Ausflüge, Aktivitäten. Doch der Anteil der Eltern ohne solche Gewohnheiten ist binnen vier Jahren von 7 auf 12 Prozent gestiegen.

Probleme gibt es verstärkt bei Alleinerziehenden: Hier empfinden 17 Prozent ihren Gesundheitszustand als schlecht und 35 Prozent als mittelmäßig.