Dessau-Roßlau - Die Stadt Dessau-Roßlau hat Neonazis die Stirn geboten. Die Einwohner zeigen Flagge gegen die NPD - mit einem friedlichen Pfeifkonzert.

Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei haben rund 3300 Menschen in Dessau-Roßlau gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass demonstriert. Mit einer Menschenkette umschlossen sie am Samstag den Kern der in Sachsen-Anhalt gelegenen Stadt. Sie protestierten damit gegen einen Aufmarsch von rund 200 Neonazis.

Oberbürgermeister Klemens Koschig (parteilos) rief zu "Zivilcourage, Mut und Entschlossenheit" gegen Fremdenhass auf. Mit Pfiffen, Sprechchören und Plakaten traten Demonstranten aus der linken Szene den Rechtsextremen schon bei ihrer Ankunft am Hauptbahnhof entgegen.

Mit Mahnwachen und dem Läuten von Kirchenglocken wurde am Nachmittag in Dessau der Opfer des Luftangriffs der Alliierten vom 7. März 1945 gedacht. Damals versank fast die gesamte Stadt in Schutt und Asche, hunderte Menschen starben. Seit Jahren missbrauchen Rechtsextreme den Jahrestag für ihre Propaganda und ziehen durch die Stadt. Am Abend versammelten sich in Dessau-Roßlau laut Polizei rund 30 Rechtsextreme, um gegen die Asylpolitik zu demonstrieren.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) appellierte an die Menschen, Rechtsextremen die Stirn zu bieten. "Wichtig ist, dass wir als Bürger Flagge zeigen, überall im Land", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Er war mit seiner Ehefrau Gabriele nach Dessau-Roßlau gekommen.

Kirchen, Künstler, Bürger, Parteien, Gewerkschaften, Vereine und Organisationen unterstützten die friedlichen Proteste. Die Polizei war mit mehr als 1000 Beamten aus fünf Ländern, einer Reiterstaffel und per Hubschrauber im Einsatz, um Auseinandersetzungen zu verhindern. Bis zum Abend blieb es den Angaben der Polizei zufolge weitgehend friedlich.