Frankfurt/Hannover - Es geht um Wahlfreiheit, um eine persönliche Betreuung und ein positives Geburtserlebnis für Mutter und Kind. Viele Frauen vertrauen dafür auf freiberufliche Hebammen - doch deren Zukunft ist wegen hoher Versicherungsprämien bedroht.

Hebammen haben am Samstag zusammen mit Müttern, Vätern und Kindern in mehreren deutschen Städten für die Zukunft freiberuflicher Geburtshelferinnen demonstriert. Wegen explodierender Versicherungsprämien fehlten bereits jetzt Geburtshelferinnen, sagte die Initiatorin einer Online-Petition zur Rettung der freiberuflichen Hebammen, Bianca Kasting, bei einer Mahnwache in Frankfurt. Daran beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 600 Menschen.

Hebammen fürchten um ihre berufliche Existenz, weil sich ihre Haftpflichttarife in den vergangenen Jahren mehrfach erhöht haben. Die Gesundheitsexperten der großen Koalition wollen in zwei Wochen ein Konzept für eine Versicherungsregelung vorlegen. In Deutschland arbeiten rund 21 000 Hebammen, etwa 60 Prozent davon freiberuflich.

In der Online-Petition heißt es, Hebammen seien per Gesetz dazu verpflichtet eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. "2003 zahlten sie noch 453 Euro Haftpflichtprämie im Jahr. In den letzten zehn Jahren sind die Kosten um das Zehnfache gestiegen. Bei einem durchschnittlichen Stundenlohn von 8 Euro lohnt es sich nicht mehr, Geburtshilfe anzubieten."

"Nur bei einer Betreuung durch eine freiberufliche Hebamme kann ich sicher sein, dass die Chemie zwischen ihr und mir stimmt", sagte in Frankfurt die zweifache Mutter Vera John. Dabei müsse die Geburt gar nicht unbedingt Zuhause stattfinden. "Aber in einer Klinik mit einer Beleghebamme für mehrere Frauen und einem Arzt ist gar keine Zeit für eine persönliche Betreuung", erläuterte Lena Klumpp. Für die junge Mutter aus Frankfurt ist wie für viele andere Frauen die vertraute Atmosphäre bei einer Geburt von immenser Bedeutung - die sei aber nur mit einer freiberuflichen Hebamme möglich.

"Meine Kinder sind Dorfkinder," sagte Nadine Thiele aus Dedenhausen in der Region Hannover. Es solle auch künftig möglich sein, dass Kinder zuhause geboren werden können. Dass so viele Eltern mit ihnen auf die Straße gegangen seien, gebe den Hebammen Kraft und Mut, sagte Britta Höpermann vom Geburtshaus Hamburg in der Hansestadt.