Berlin - Alleinerziehende in Deutschland sind besonders häufig von Arbeitslosigkeit betroffen - zwei Fünftel von ihnen beziehen Hartz IV. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung, die der "Welt am Sonntag" vorab vorlag.

Schuld daran seien schlechte rechtliche und familienpolitische Bedingungen, sagte Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Stiftung. "Der Politik gelingt es nicht, die Lebenslage der Alleinerziehenden zu verbessern." Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) forderte angesichts der Zahlen Steuerentlastungen für Alleinerziehende.

Die Studie wurde von der Darmstädter Juraprofessorin Anne Lenze erstellt. Ihr zufolge benachteiligt das Steuerrecht die Betroffenen. Außerdem greife der Staat Müttern nicht genug unter die Arme, wenn Väter ihren Unterhaltspflichten nicht nachkommen. Auch die Industrieländer-Organisation OECD hatte schon mehrfach die starke Abgabenlast von Alleinerziehenden in Deutschland kritisiert.

Rund 2,2 Millionen Kinder wachsen nach der neuen Studie inzwischen mit nur einem Elternteil auf. Die Tendenz sei steigend. Neun von zehn Alleinerziehenden sind demnach Frauen. In jedem zweiten Fall zahlten die Väter den Unterhalt nicht in voller Höhe. Zwar könnten die betroffenen Mütter als Ausgleich den sogenannten Unterhaltsvorschuss bei den Kommunen beantragen. Dieser sei jedoch auf maximal sechs Jahre und auf das zwölfte Lebensjahr beschränkt.

Schwesig sagte dem ZDF-Magazin "Wiso", Alleinerziehende müssten auch steuerlich entlastet werden, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Vor allem die Zahl der Kinder sollte künftig besser berücksichtigt werden. Weil Alleinerziehende in Deutschland zu denen gehörten, die besonders viel leisten, müssten sie besonders unterstützt werden, nicht nur mit Ganztags-Kitas und Ganztagsschulen.