Münster (dpa) | Die Katholische Kirche müsse eine Kirche an der Seite der Suchenden sein, selbst eine Suchende bleiben, predigte Erzbischof Robert Zollitsch zur Eröffnung der Vollversammlung der Bischofskonferenz am Montag. Auf der Suche sind die 64 in Münster versammelten Bischöfe und Weihbischöfe: Denn es ist völlig offen, wen sie am heutigen Mittwoch aus ihrer Mitte zum neuen Vorsitzenden wählen.

Kandidaten für die Nachfolge des Freiburger Erzbischofs Zollitsch (75), der nach sechs Jahren aus Altersgründen abtritt, werden etliche genannt. Ein Favorit für den Posten ist indes nicht auszumachen.

KARDINAL REINHARD MARX (60)

Der Erzbischof von München und Freising hat Gewicht in der Kirche, die katholische Soziallehre ist für ihn "Teil der Verkündigung". Seine zupackende Art passt nicht jedem seiner Amtsbrüder, ebenso wenig sein barockes Erscheinungsbild. Auch hat er ein Problem: Zeit. Er berät Papst Franziskus bei der Reform der Kurie, leitet den vom Papst neu geschaffenen Wirtschaftsrat im Vatikan und die Europäische Kommission der Bischofskonferenzen.

KARDINAL RAINER MARIA WOELKI (57)

Der Erzbischof von Berlin, ein Ziehsohn des vor wenigen Tagen aus dem Amt geschiedenen konservativen Kölner Kardinals Meisner, hat sich in der Multikulti-Hauptstadt viel Respekt erworben. Er wohnt im Arbeiterstadtteil Wedding, wirbt für Toleranz im Umgang mit Homosexuellen. Erst 2008 zum Erzbischof ernannt, legte er eine steile Karriere hin, wählte als Kardinal den Papst mit.

FRANZ-JOSEF BODE (63)

Den Osnabrücker Bischof haben viele Beobachter auf dem Zettel. Er gehört mit mehr als 18 Amtsjahren zu den dienstältesten Bischöfen, leitet die Glaubenskommission der Bischofskonferenz und brächte viel Erfahrung mit. Nachteil: Der Oberhirte ist bundesweit nicht so bekannt.

STEPHAN ACKERMANN (50)

Der Trierer Bischof gehört zu den "jungen Wilden" in der Bischofskonferenz. Er übernahm auf dem Höhepunkt des Missbrauchsskandals die Federführung für die Aufarbeitung und erwarb sich damit Respekt. Er hat aber Gegner. Jede Art von vorehelichem Sex als schwere Sünde zu bewerten, sei nicht mehr haltbar, ließ er jüngst in einem Interview wissen. Mehrere Bischöfe schlugen öffentlich zurück: Die Kirche dürfe sich nicht dem Zeitgeist anpassen.

FRANZ-JOSEF OVERBECK (49)

Der Essener Bischof übernahm eine schwierige Diözese und setzt dort bundesweit beachtete Strukturreformen um. Zudem profilierte er sich als katholischer Militärbischof und sammelte als Verantwortlicher für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat internationale Erfahrung. Sein Alter könnte gegen den jüngsten deutschen Ortsbischof sprechen.

LUDWIG SCHICK (64)

Der Erzbischof von Bamberg könnte als Geheimtipp zum Zuge kommen. Er leitete seine Erzdiözese seit mehr als elf Jahren und ist als Vorsitzender der bischöflichen Kommission Weltkirche auch auf internationalem Parkett erfahren.

FELIX GENN (64)

Für den Münsteraner Bischof wäre die Wahl ein Heimsieg. Er gilt als besonders fromm, führt mit großer Volksnähe eine riesige Diözese. Genn hat einen guten Ruf als Theologe und gehört nicht zu den bekanntesten Bischöfen in Deutschland. Im Dezember ernannte ihn Papst Franziskus zum Mitglied der Bischofskongregation, der Personalabteilung der Weltkirche.

Wie lange das Wahlprozedere am heutigen Mittwoch dauert, ist nicht absehbar. In den ersten beiden Wahlgängen benötigt ein Kandidat eine Zwei-Drittel-Mehrheit, dann reicht die absolute Mehrheit. Eine wesentliche Rolle bei der Wahl des DBK-Vorsitzenden spielen die Weihbischöfe. Sie dürfen zwar selbst nicht kandidieren, sind aber bei der Versammlung in der Überzahl.