Münster (dpa) | Er gehört zu den engsten Beratern des Papstes. Erst dieser Tage sagte Reinhard Kardinal Marx über Franziskus, der Pontifex handle frei von Angst. Ängstlichkeit ist auch nicht die Sache des Münchner Erzbischofs. Der 60-Jährige haut durchaus auf den Tisch, wenn es sein muss. Mit seiner zupackenden Art hat er sowohl die Strukturreform im Erzbistum hin zu großen Pfarrverbänden als auch die Neuaufstellung des Erzbischöflichen Ordinariates erledigt - Kritiker sagen, Marx kehre sein Haus mit eisernem Besen.

Sucht Kontakt mit Jung und Alt.

Leicht fremdelnd nahmen die Gläubigen in Oberbayern ihren aus Westfalen stammenden neuen Oberhirten vor sechs Jahren auf. Doch beide Seiten gewöhnten sich rasch aneinander, der leutselige Kirchenmann gewinnt die Herzen vieler "Schäfchen" mühelos. Bei seinen Besuchen in den Pfarreien sucht Marx den Kontakt mit Jung und Alt. Bei einem Glas Bier kommt er rasch ins Gespräch mit dem Kirchenvolk.

Über die Grenzen seines Bistums hinaus hat sich Marx vor allem in Fragen der katholischen Soziallehre einen Namen gemacht. Sie ist für ihn "Teil der Verkündigung". Christen müssten auch die Frage nach der Gerechtigkeit in der Gesellschaft stellen. Bei Diskussionen zu diesen Themen blüht Marx auf und spricht druckreife Sätze. Sein Buch "Das Kapital" - in Anlehnung an das gleichnamige Werk seines Namensvetters Karl Marx - ist eine energische Warnung vor der Zügellosigkeit der Märkte.

Der am 21. September 1953 in Geseke (Westfalen) geborene Reinhard Marx wurde nach diversen kirchlichen Ämtern 1996 Weihbischof in Paderborn. Dort unterrichtete er auch in christlicher Gesellschaftslehre. 2002 wurde Marx Bischof von Trier, mit 48 Jahren damals der jüngste deutsche Diözesanbischof.

Manchen stört das Erscheinungsbild.

Im November 2007 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Münchner Erzbischof, drei Jahre später wurde er Kardinal, wieder war er für einige Zeit der jüngste in dem Kreis. Seit 2012 ist er zudem Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der EU.

Vorläufiger Höhepunkt seiner steilen Karriere: Franziskus berief Marx in den achtköpfigen Kardinalsrat, der ihn bei der Reform der Kurie in Rom berät. In der Funktion saß er erst im Februar wieder tagelang mit dem Papst zusammen. Die Gründung einer Art Finanzministerium im Vatikan, das alle Geldgeschäfte kontrollieren soll, ist das spektakulärste Ergebnis dieser Zusammenkunft.

Unter seinen deutschen Amtsbrüdern und in der Kurie hat Marx nicht nur Freunde. Manchen Ortsbischof stört das barocke Erscheinungsbild des 60-Jährigen, das so gar nicht zu der Kirche der Armen passen will, die der Papst predigt. Marx residiert in einem stattlichen Palais, das ihm freilich vom Freistaat Bayern zugewiesen ist.

Streit mit dem Präfekten.

Mit dem Präfekten der römischen Glaubenskongregation und Neu-Kardinal Gerhard Ludwig Müller ist Marx nicht nur einmal zusammengerauscht. Obwohl in Fragen der Kirchenlehre wie Müller konservativ eingestellt, treibt den Münchner Kardinal um, dass wiederverheiratete geschiedene Katholiken nach wie vor von der Kommunion ausgeschlossen sind. Marx sucht nach Wegen, dies zu ändern. "Wir können diese Menschen nicht wie Christen zweiter Klasse behandeln", sagte Marx dieser Tage.

Für Müller kommt eine Abkehr vom Verbot der Sakramente für diesen Personenkreis aber weiterhin nicht infrage. Als der oberste Glaubenshüter diese Position im vergangenen Herbst bekräftigte, zweifelte Marx unverhohlen die Autorität Müllers an: "Der Präfekt der Glaubenskongregation kann die Diskussion nicht beenden."