Rio de Janeiro (dpa/vs) l Noch ist die Fußball-WM nicht angepfiffen, doch dass Rio de Janeiro bei Sportsfreunden und Touristen mehr denn je in den Fokus gerät, haben seine Bewohner längst gemerkt - an den Preisen nämlich, die den Stadtbewohnern gehörig über den Kopf wachsen.

Rios Einwohner haben eine kreative Form des Protests gegen einen um sich greifenden Wucher gefunden. Auf der Facebook-Seite "Rio Surreal" laden sie Fotos von überteuerten Mahlzeiten und unverschämten Rechnungen hoch.

Die Bewegung bietet auch den "Surreal" als parallele Schmäh-Währung zum Brasilianischen Real zum Ausdrucken an: Statt dem Lorbeer-bekränzten Bildnis der Republik, das normalerweise Geldscheine und Münzen schmückt, blickt dem Betrachter der spanische Surrealismus-Künstler Salvador Dalí entgegen.

In mehreren brasilianischen Städten sind die "Surreal"-Banknoten schon im Umlauf und werden Händlern überteuerter Waren als Zeichen der Missbilligung überreicht - wie zum Beispiel in einer Bar in Leblon, einem Nobelstadtteil Rios, die einen Hamburger für sage und schreibe 99 Reais - rund 30 Euro - angeboten hatte.

Inzwischen gibt es im Netz auch Verabredungen zum "Isoporzinho", einem Stelldichein mit Selbstverpflegung. Das Wort leitet sich von den Kühlboxen aus Styropor (isopor) ab, mit denen sonst vor allem fliegende Händler Kaltgetränke transportierten. Da gab es sogar einen Aufruf, eigene Stühle mit an den Strand zu nehmen. Denn auch die Liegestuhl-Miete kostet mittlerweile das Dreifache.