Wiesbaden - Das Betreuungsgeld für Eltern, die ihre Kleinkinder ausschließlich zu Hause betreuen, ist nur schleppend angelaufen. In den ersten fünf Monaten wurde die als "Herdprämie" kritisierte Leistung nur für 64 877 Kinder ausgezahlt, wie das Statistische Bundesamt berichtete.

Die Anträge konnten seit dem 1. August 2013 gestellt werden. Das Betreuungsgeld war nach langem politischen Streit eingeführt worden. Eltern, die für ihre Kinder nach deren 15. Lebensmonat weder einen Kita-Platz noch eine geförderte Tagesmutter in Anspruch nehmen, können bis zu 22 Monate lang 100 Euro monatlich bekommen. Ab 1. August 2014 gibt es 150 Euro.

Die jetzt veröffentlichten Zahlen umfassen bewilligte und ausgezahlte Leistungen bis 31. Dezember. Die meisten Bezieher gab es in Bayern (15 588), danach folgten Baden-Württemberg (14 622) und Nordrhein-Westfalen (13 242). In den gesamten neuen Ländern einschließlich Berlin bezogen lediglich 4653 Eltern Betreuungsgeld.

95 Prozent der Bezieher waren Mütter, 79 Prozent verheiratet. Fast 78 Prozent haben den Antrag für die kompletten 22 Monate gestellt. Auch bei der Bezugsdauer zeichnete sich ein Ost-West-Unterschied ab: Sie war in den neuen Ländern mit 13,1 Monaten deutlich kürzer als im früheren Bundesgebiet (19,7 Monate).

Ein halbes Jahr nach Einführung hatte eine Umfrage der "Passauer Neuen Presse" in 16 Bundesländern ergeben, dass bundesweit mehr als 154 000 Anträge auf die Familienleistung vorlagen. Die "Bild"-Zeitung hatte ebenfalls Anfang Februar berichtet, die Nachfrage sei geringer als erwartet: 2013 habe der Bund dafür 16,9 Millionen Euro ausgegeben, im Haushalt seien 55 Millionen Euro eingeplant gewesen.

"Das Betreuungsgeld geht offensichtlich an den Bedürfnissen junger Familien vorbei", kommentierte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die Zahlen. "Die für das Betreuungsgeld vorgesehenen Mittel wären besser in den Ausbau der Betreuungsinfrastruktur investiert."

Bayerns Familienministerin Emilia Müller sieht das ganz anders: "Das Betreuungsgeld ist sowohl bundesweit als auch in Bayern ein Erfolgsmodell." Die reale Nachfrage liege weit über den nun veröffentlichten Zahlen. In Bayern hätten mehr als 71 Prozent der anspruchsberechtigten Eltern die Leistung beantragt.