Richter Rupert Heindl in seiner Urteilsbegründung:

"Das bloße Berufen darauf, die Bank habe quasi alles alleine gemacht, nehmen wir Ihnen nicht ab. Sie waren getrieben von der Angst vor Entdeckung. Sie hatten viele Jahre Zeit, ihre Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Sie haben es nicht getan, sondern auf Zeit gespielt. (...)

Die Dimensionen waren Ihnen bekannt. (...)

Wir kommen zu dem Ergebnis, dass nur mit den vorgelegten Unterlagen keine wirksame Selbstanzeige hätte erstattet werden können. Es ist keine missglückte Selbstanzeige, sondern eine unzureichende Selbstanzeige. (...)

Dennoch haben wir ganz erheblich zu Ihren Gunsten das Geständnis gewertet. (...)

Es wird manchmal vergessen, dass die Steuerhinterziehung ein Vorsatzdelikt ist. (...)"

München (dpa) l Das Landgericht München sprach den Präsidenten des FC Bayern München am Donnerstag in einem der spektakulärsten Steuerverfahren in Deutschland in sieben Fällen schuldig. Seine Verteidiger kündigten Revision an. Die Staatsanwaltschaft hält sich dies offen. Der 62-Jährige wurde nach dem Urteil am Donnerstag nicht abgeführt. Der Haftbefehl aus dem Frühjahr 2013 bleibt weiter gegen eine Millionen-Kaution ausgesetzt.

"Ein Freispruch war zu keinem Zeitpunkt zu erwarten", erläuterte Richter Rupert Heindl bei seiner Urteilsbegründung. "Es ist keine missglückte Selbstanzeige, sondern eine unzureichende Selbstanzeige." Für das Gericht war es allerdings kein besonders schwerer Fall der Hinterziehung, dann wäre die Strafe höher ausgefallen.

Hoeneß` Hoffnung, den Saal 134 im Münchner Justizpalast doch noch als freier Mann verlassen zu können, erfüllte sich damit nicht. Als Richter Rupert Heindl um 14.07 Uhr das Urteil verkündete, zuckten seine Mundwinkel. Seine Ehefrau Susi litt im Zuschauerraum mit und war nach dem Richterspruch völlig erstarrt.

Staatsanwalt: Fünf Jahre und sechs Monate


Am vierten und letzten Verhandlungstag hatte es keine weiteren Beweisanträge gegeben. Ankläger Achim von Engel sprach von einem besonders schweren Fall von Steuerhinterziehung und plädierte für eine Haft von fünf Jahren und sechs Monaten. Hoeneß` Anwalt Hanns Feigen hatte in seinem rund 50-minütigen Schlussplädoyer auch eine Aussetzung des Haftbefehls gefordert.

Die Anklage war zunächst von 3,5 Millionen Euro hinterzogenen Steuern ausgegangen. Im Laufe des Prozesses war die Summe von 18,5 auf 27,2 und gestern auf nunmehr 28,5 Millionen Euro emporgeschnellt. Die Verteidigung hatte diese Steuerschulden anerkannt.

Der FC Bayern gab zunächst keine Stellungnahme ab. Der deutsche Rekordmeister kündigte an, dass Präsidium, Verwaltungsbeirat und Aufsichtsrat "kurzfristig zu Beratungen zusammenkommen" würden. Die Öffentlichkeit solle "zeitnah" - aber nicht vor Freitag - über die Ergebnisse informiert werden, hieß es in einer Mitteilung des Clubs.

Das Urteil erschüttert den Verein. Hoeneß ist seit Jahrzehnten das Gesicht des Vereins. Als Spieler, Manager, Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender der AG prägte und prägt der Patriarch vom Tegernsee den erfolgreichsten deutschen Fußball-Club. Kann er seine Ämter als Präsident und Aufsichtsrat auch nun noch behalten?

Zukunft bei den Bayern ist noch unklar


Der seit 2009 als Präsident amtierende Hoeneß hatte auf der Mitgliederversammlung im November 2013 angekündigt, nach dem Prozess die "Vertrauensfrage" zu stellen. "Ich werde mich jedem Votum, das Sie treffen, unterwerfen", hatte Hoeneß zu den Mitgliedern gesagt. Ob es dazu jetzt noch kommen wird, ist völlig offen. Seiten 3 und 4