Kernenim Remstal l Kein Jägerlatein! Die Jagdtrophäe erobert sie wieder, die deutschen Stuben. Aber nicht als angestaubtes, muffiges Blanko-Geweih. Sondern extravagant, mit gaaaanz viel Bling-Bling.

Hinter dieser Geschichte steckt Rolf Miess, ein wahrlich toller Hirsch. In Kernen im Remstal, irgendwo bei Stuttgart, motzt der 36-Jährige das geliebte Horn auf. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und so schreckt der Mann vor rein gar nichts zurück: vergoldete Schaufeln, pinkfarbene Knochen, der Schädel mit Nieten besetzt, eine vergoldete Sonnenbrille auf der Nase des präparierten Steinbocks - so wird das Geweih wieder salonfähig und verleiht den eigenen vier Wänden das gewisse Etwas.

Und schon machen sich viele kluge Menschen viele schlaue Gedanken über das Revival der Trophäen. Die einen bejubeln die Wiederentdeckung des Regionalen. Auch Kuckucksuhr und Kreuzstich stehen hoch im Kurs.

Andere sehen in der Urigkeit, die mit den Geweihen einzieht, das Gegenmodell zur Herrschaft des weißlackierten Mobilars in durchdesignten Appartements. Wer dem neuen Trend folgt, dem wird ein feiner Sinn für Ironie bescheinigt. Hmmm. Wie auch immer: Der triumphale Siegeszug der viel geschmähten Tierpräparate hat sich für Kenner der Szene schon seit einiger Zeit angedeutet - als Tattoo in rückwärtig gelegenen Hautregionen hat die Karriere des Geweihs begonnen.

Und, ja, es sind vor allem Frauen, die jetzt den Hirschkopf mit Federboa in die Wohnung holen. Da werden Euch, liebe Ehemänner, mal ganz anders Hörner aufgesetzt.