Berlin - Mit mehr Anreizen zum Stromsparen könnte die Energiewende nach einer Studie um jährlich mehrere Milliarden günstiger gestaltet werden. Eine Minderung des Stromverbrauchs um 10 bis 35 Prozent gegenüber der bisher geplanten Entwicklung senke die Kosten im Jahr 2035 um 10 bis 20 Milliarden Euro.

Das ermittelte eine Studie des Unternehmens Prognos und des Instituts für elektrische Anlagen und Energiewirtschaft Aachen. Sie wurde im Auftrag von Agora Energiewende und der European Climate Foundation erstellt. Dadurch könne die Stromrechnung deutlich reduziert werden, zudem würde sich je nach Effizienzsteigerung der Ausbaubedarf im Höchstspannungsnetz bis 2050 von etwa 8500 Kilometern auf 1750 bis 5000 Kilometer verringern.

Die Energieeffizienz wird bis hin zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gerne als "schlafender Riese" der Energiewende bezeichnet. Doch Anstrengungen im Wärmbereich - etwa durch Gebäudesanierungen - und im Strombereich hinken bisher den gesteckten Zielen hinterher. Schon die Umsetzung des Regierungsziels von zehn Prozent weniger Stromverbrauch bis 2020 und 25 Prozent bis 2050 könne zu jährlichen Einsparungen von bis zu rund 20 Milliarden Euro führen, ermittelte die Studie.

Gemessen an heutigen Stromkosten und dem heutigen Verbrauch könne die Kilowattstunde Strom statt 28 Cent mittelfristig nur noch rund 15 Cent kosten - hinzu kämen weniger CO2-Emissionen und das Einsparen von Milliarden für Kohle-, Uran- und Gasimporte. Die 88-seitige Studie analysiert fünf Szenarien und will dazu beitragen, von der reinen Kostendebatte beim Ausbau erneuerbarer Energien wegzukommen.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte von Union und SPD, sich in diesem Berich stärker zu engagieren. "Das Thema Energieeffizienz wird von dieser Bundesregierung bisher sträflich vernachlässigt", sagte er in Berlin. "Die Studie macht eindrucksvoll darauf aufmerksam, dass ohne stärkere Stromsparanreize und ohne energetische Gebäudesanierung ein wesentlicher Schub für die Energiewende fehlt."

Am 8. April will die Bundesregierung im nächsten Schritt ein Gesetz für die künftige Ökostrom-Förderung beschließen. Da es noch viele Streitpunkte gibt, luden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) die Ministerpräsidenten zu einem Gespräch am 1. April ein. Regierungskreise bestätigten einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung".

Die Energiewende war auch Thema des vertraulichen Dreiertreffens von Merkel, Gabriel und CSU-Chef Horst Seehofer am Dienstagabend. Neuen Streit gibt es um eine der drei geplanten Hauptstromtrassen, Seehofer hält eine Leitung von Sachsen-Anhalt nach Bayern inzwischen für überflüssig.