Essen (egw) | Wie bekommt man Saufgelage auf öffentlichen Plätzen in den Griff? In Staßfurt hat ein Investor eine Mauer gebaut, weil die Stadt keine andere Lösung für das "Problem der im Park trinkenden Mitbürger" fand - und erntete massive Kritik. Magdeburg hat es mit Alkoholverbot am Hasselbachplatz und am Bahnhof versucht - und scheiterte vor dem Oberverwaltungsgericht.

Verbote bringen nichts: Wenn die Ampel immer auf Rot steht, wird sie früher oder später missachtet. Was also tun, wenn Dutzende trinkende und pöbelnde Mitbürger die schönsten Plätze unsicher machen?

Laubfegen wird mit Bier bezahlt

Vor dieser Frage steht auch die Stadt Essen. Was hatte die Polizei nicht alles versucht, um ihren zum Kulturstadtjahr aufgehübschten Bahnhof besucherfreundlich zu gestalten. Von der netten Ansprache bis zum Platzverweis - nichts half. Über dem Bahnhofsvorplatz hielt sich hartnäckig ein Hauch von Urin.

Ab Mai versucht es die Stadt im Ruhrgebiet nun mit einem gänzlich neuen Ansatz. Sie nimmt den Trinkern nicht das Bier weg. Sie gibt es ihnen. Dazu werden ihnen leichte Aufgaben übertragen wie Müll einsammeln oder Laub fegen. Drei bis sechs Stunden am Tag, dafür gibt es dann drei bis sechs Dosen Bier. Die genaue Menge steht noch nicht fest.

"Putzen für Bier" wird das Projekt im Essener Volksmund bereits genannt. Der Leiter des Projekts spricht lieber von "Tagesstruktur für chronisch Mehrfachabhängige". Man könnte es auch den konfliktfreien Übergang vom Ein-Euro-Job zum Bitte-lieber-gleich-ein-Pils-Job nennen.