München - Als der mutmaßliche Neonazi-Terrorist Uwe Mundlos abtauchte, ging er erst mal zu seiner Mutter, um sich Geld zu besorgen. Noch einmal kam er vorbei, um sich zu verabschieden. 13 Jahre später bekam Ilona Mundlos einen Anruf von Beate Zschäpe. Da war ihr Sohn tot.

Im NSU-Prozess schilderte die Mutter von Mundlos, wie ihr Sohn 1998 in den Untergrund ging. Er sei am Tag des Untertauchens in die Kaufhalle in Jena gekommen, in der sie arbeitete. "Mutti, es ist was passiert, ich muss fort, ich brauch\' Geld", habe er gesagt. Sie habe ihm dann eine EC-Karte gegeben, sagte die 63-Jährige am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht München.

Die späteren mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe waren nach der Durchsuchung einer von ihnen als Bombenwerkstatt genutzten Garage abgetaucht. Die Polizei fand unter anderem eine fertige und vier im Bau befindliche Rohrbomben, insgesamt etwa anderthalb Kilogramm TNT-Gemisch und zahlreiche rechtsradikale Schriften.

Zwei Tage später habe ihr Sohn sie nochmals auf der Arbeit besucht, sagte Ilona Mundlos. "Mutti, mit den Waffen habe ich nichts zu tun", habe er gesagt - wohl aber mit den Schriften. Es drohten ihm sieben Jahre Haft. "Es dauert zehn Jahre, dann ist das verjährt, dann kann ich wieder kommen", habe er gesagt. "Seitdem habe ich nie wieder von ihm gehört."

Die Mutter schilderte auch, wie Beate Zschäpe sie am 5. November 2011 anrief. Am Tag zuvor hatten sich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nach einem Banküberfall in Eisenach erschossen, um der Festnahme zu entgehen. Es war das Ende des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU). Zschäpe habe ihr am Telefon gesagt, dass etwas Schlimmes passiert sei. "Der Uwe ist nicht mehr, der Uwe lebt nicht mehr." Er habe sich "in die Luft gesprengt". Sie solle im Fernsehen schauen, was in Eisenach passiert sei. Dort habe sie dann die Nachricht von dem Banküberfall und den Toten im ausgebrannten Wohnmobil gesehen.

Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe werden unter anderem zehn Morde zur Last gelegt. Opfer waren neun Menschen mit ausländischen Wurzeln und eine Polizistin.