Stendal l Donnerstagabend, kurz nach halb elf: Ein lautes Grollen ertönt für zwei Sekunden in der Stadt. Fensterscheiben vibrieren, eine Alarmanlage springt an, Menschen werden aus dem Schlaf gerissen. Was zunächst scheint wie ein Weltuntergangs-Szenario aus einem Katastrophenfilm, trug sich in der Nacht zu Freitag tatsächlich mitten in Stendal zu. Noch am Freitag herrschte lange Unklarheit darüber, was für dieses Getöse verantwortlich gewesen sein könnte und viele Anwohner des nachts aufschrecken ließ. Eine Gasexplosion? Ein Flugzeugabsturz? Sogar die Möglichkeit eines Meteoriteneinschlags machte zwischenzeitlich die Runde und wurde von Experten zunächst nicht ausgeschlossen.

Klarheit brachte jedoch ein Anruf beim Deutschen Wetterdienst in Leipzig. "Für 22.39 Uhr hat unser Blitzortungssystem einen Einschlag direkt über Stendal registriert", sagt Gerold Weber. Der Diplommeteorologe ist sogar imstande das elektromagnetische Signal bis auf 50 Meter einzugrenzen. Demnach ging der Blitz im Bereich der Poststraße nieder. An sich keine Besonderheit, wäre da nicht die ungewöhnliche hohe Intensität.

Zehnmal stärker als ein gewöhnlicher Blitz

"Nach unseren Daten hatte der Blitz eine Stromstärke von 186,5 Kiloampere. Damit war er etwa zehnmal stärker als ein Blitz, der wenige Minuten davor in der Nähe der Bahnhofsstraße am Himmel erschien", verrät Gerold Weber. Mit einer so starken Entladung gehe auch immer ein ordentlicher Krach einher. "Das könne sich auch in größerer Entfernung schon mal anhören wie eine Explosion."

Ein Schaden scheint durch den Megablitz jedenfalls nicht entstanden zu sein. Weder die Leitstelle Altmark noch die Polizei musste infolge des heftigen Donnerschlags ausrücken. Einzig bei einer Sicherheitsanlage im Jugendfreizeitzentrum wurde ein falscher Alarm ausgelöst – vermutlich durch die Druckwelle.