Moskau | Ach, du Shrek! Zwischen Russland und Amerika herrscht derzeit Eiszeit. Ein "Ice Age" der besonderen Art, das selbst Eisprinzessinnen frösteln lässt. In diesen Momenten fehlender Wärme braucht man sie, die Augenblicke der Magie.

Und so setzen die Russen ausgerechnet jetzt, in der schwersten Krise nach Ende des Kalten Krieges, auf die glitzernde Märchenwelt des einstigen Klassenfeindes. Ein Vergnügungspark soll entstehen - nach dem Vorbild von "Disneyland". Direkt am Moskwa-Fluss soll in einem brachliegenden Park bis 2017 eine zauberhafte Kulisse aus fahnenbesetzten Türmchen und wasserspeienden Fontänen aufgebaut werden.

Dort dürfen sich alle verzaubern lassen von Mickymaus und Donald Duck; dem tollkühnen Helden Shrek und seiner schöne Prinzessin Fiona; dem eitlen Löwen Alex und den kecken Pinguinen aus Madagascar.

Der Auftrag für den Bau - nach offiziellen Angaben als Franchise der US-Filmfabrik DreamWorks ("Antz", "Madagaskar") - kommt direkt von Bürgermeister Sergej Sobjanin. Der kremltreue Politiker möchte erreichen, dass seine Stadt freundlicher betrachtet wird - ein wenig mehr in Rosarot, bitte.

Dabei hat er wirklich an alles gedacht, der Sergej. Wer mit den US-Vorbildern im Park nichts an der Pelzkappe hat, der kann sich auf Stars aus russischen Zeichentrickserien freuen. Helden wie Hase und Wolf aus "Nu, pogodi" ("Warte bloß"). Letzteres sollte man nicht zu wörtlich nehmen. Immer wieder kamen Megaprojekte in Russland letztlich nicht zustande. Und das wäre, in diesem Fall, wirklich Shrek-lich.