Düsseldorf/Berlin - Die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will nicht weiter gegen den Entzug ihres Doktortitels vorgehen. Eine Mitarbeiterin ihres Büros bestätigte einen Bericht der "Rheinischen Post", wonach Schavan keine Rechtsmittel gegen die Entscheidung einlegen will.

Die Düsseldorfer Verwaltungsrichter hatten ihre Klage gegen den Entzug des Titels vor drei Wochen zurückgewiesen und Schavan attestiert, in der Dissertation getäuscht zu haben. Die CDU-Politikerin muss den Titel damit am 7. Mai ablegen. Dennoch will die Universität Lübeck ihr an diesem Freitag die Ehrendoktorwürde verleihen. Die Universität argumentiert, die Ehrendoktorwürde werde nicht für wissenschaftliche Leistungen, sondern für Verdienste um die Hochschule verliehen.

Schavan will nun nach vorne schauen. Sie habe sich dazu entschieden, die juristische Auseinandersetzung zu beenden, obwohl sie nach wie vor der Ansicht sei, dass ihr der Titel zu Unrecht entzogen worden sei. "Jetzt bereite ich mich auf neue Aufgaben vor und freue mich darauf", wird Schavan von der Zeitung zitiert. Die engagierte Katholikin soll Botschafterin Deutschlands beim Vatikan werden. Sie hatte angesichts der Plagiatsvorwürfe im Februar 2013 ihren Rücktritt erklärt.

Ihre Anwälte hatten das schriftliche Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf am Montag erhalten. Eine Berufung war nicht zugelassen worden, Schavan hätte dagegen nur noch mit einem Antrag vorgehen können. Nach Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) war die CDU-Politikerin Schavan das zweite Kabinettsmitglied, das Kanzlerin Angela Merkel (CDU) durch eine Plagiats-Affäre verlor.

Die Ehrendoktorwürde der Universität Lübeck war Schavan bereits im Januar 2012 zuerkannt worden, um ihre Verdienste im Kampf um den Erhalt der Hochschule zu würdigen. Im Sommer 2010 hatten Studierende, Professoren und Lübecker Bürger gegen die Pläne der Landesregierung gekämpft, die Medizinerausbildung zu streichen. Die Wissenschaftsministerin trug zur Rettung der Universität bei, indem sie dem Land aus Bundesmitteln 25 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich für die Forschung zusagte.

Die ursprüngliche für April 2012 geplante Übergabe der Urkunde an Schavan war bereits zweimal verschoben worden. Zunächst hatte die Universität den Termin wegen der Nähe zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein abgesagt. 2013 bat Schavan wegen der öffentlichen Debatte um ihre Doktorarbeit um eine Verschiebung.

"Nach dem Entzug ihres Titels und ihrem Rücktritt als Bundesministerin hat Frau Schavan uns angeboten, über die Verleihung neu zu beraten", sagte der Präsident der Lübecker Uni, Peter Dominiak. Der Senat habe damals einstimmig beschlossen, ihr den Ehrendoktortitel auf jeden Fall zu verleihen, auch wenn das Düsseldorfer Verwaltungsgericht - wie jetzt geschehen - Schavans Klage gegen den Entzug ihres Doktortitels abweisen sollte.