Moskau (dpa) | Kremlchef Wladimir Putin hat mehrere Staats- und Regierungschefs der EU über die kritische Lage in der Ukraine wegen wachsender Gasschulden bei Russland informiert.

Der Präsident habe in dem Brief vor den Folgen für den Gastransit gewarnt und zugleich einen Dialog für eine Krisenlösung vorgeschlagen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag nach Angaben der Agentur Interfax.

Das Schreiben sei an die Abnehmerstaaten von russischem Gas gegangen. Die vor dem Staatsbankrott stehende Ukraine ist das wichtigste Transitland für Gas in den Westen. Wegen unbezahlter Rechnungen hatte Russland der Ukraine zuletzt 2009 das Gas zeitweilig abgestellt, was auch zu Lieferengpässen in der EU geführt hatte. Experten halten einen neuen "Gas-Krieg" für möglich.

Russland hatte dem Nachbarland zuletzt mehrere Rabatte gestrichen und die in einem Vertrag von 2009 festgeschriebenen Preise angesetzt. Damit soll die chronisch klamme Ukraine jetzt so viel Geld für Gas bezahlen wie kein anderes Land in Europa. Russland erwägt, Energie nur noch gegen Vorkasse an das Land liefern.

Putin hatte den Westen am Vortag aufgefordert, die Ex-Sowjetrepublik nicht nur mit Worten, sondern auch finanziell zu unterstützen. Nach russischer Vorstellung könnten die angekündigten Milliardenbeträge des Westens dann direkt in die Kassen der russischen Staatskonzerne fließen - zur Tilgung ukrainischer Schulden.

Der russische Staatskonzern Gazprom hatte der Ukraine in der Vergangenheit immer wieder vorgeworfen, die Exportpipeline illegal anzuzapfen. Die ukrainische Führung hatte den Vorwurf des Diebstahls aber zurückgewiesen.