Berlin - Die Bundesregierung hat ihre Unterstützung für den Untersuchungsausschuss zur NSA-Spähaffäre unter den Vorbehalt der nationalen Sicherheitsinteressen gestellt.

Zwar sagte Innenminister Thomas de Maizière der "Passauer Neuen Presse": "Die Bundesregierung wird selbst alles tun, um die Arbeit des Ausschusses zu unterstützen." Der CDU-Politiker fügte aber hinzu: "Allerdings müssen wir dabei auch die Sicherheitsinteressen Deutschlands und die Vertraulichkeit der Dienste in der internationalen Zusammenarbeit beachten und respektieren." Zugleich forderte er die USA und Großbritannien auf, Fragen des Ausschusses zu beantworten.

Eine der strittigen Fragen ist eine Vernehmung des früheren Mitarbeiters des US-Geheimdiensts NSA, Edward Snowden, in dem Untersuchungsgremium. Am Donnerstag hat der Bundestagsausschuss die Regierung ersucht, zunächst die rechtlichen Rahmenbedingungen zu klären, wie de Maizière berichtete. Das sei nun sorgfältig zu prüfen.

Die Opposition dagegen hatte keinen Prüfauftrag gewollt, sondern eine schnelle Vernehmung Snowdens - sie war im Ausschuss aber von der Koalition überstimmt worden. Linke und Grüne vermuten nun, dass auf diese Weise eine Vernehmung des Enthüllers vor einer USA-Reise von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Anfang Mai verhindert werden sollte.

Snowden selbst hat seine Bereitschaft zu einer ausführlichen Aussage vor dem Ausschuss bekräftigt. Das geht aus einem Brief seines Berliner Anwalts Wolfgang Kaleck an den Ausschussvorsitzenden hervor, der der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") und dem NDR in Kopie vorliegt.

"Ich bin gern bereit, vor dem Untersuchungsausschuss auszusagen, und knüpfe dies grundsätzlich an keine Bedingungen", ließ Snowden darin mitteilen. Bisher war er dazu nur bereit gewesen, wenn er im Gegenzug von Deutschland oder einem vergleichbaren Land aufgenommen würde, wie der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele im November nach einem Treffen mit Snowden berichtet hatte. Im Brief wies Snowdens Anwalt zugleich darauf hin, dass es von den Umständen einer Aussage abhängen werde, wie detailreich sich der Amerikaner äußern "kann und will".

Der neue Ausschussvorsitzende Patrick Sensburg (CDU) steht einer Vernehmung des Enthüllers zwar offen gegenüber, sieht eine Realisierung in Berlin aber skeptisch. "Ich halte eine Vernehmung auf deutschem Boden für rechtlich sehr problematisch. Alleine bei der Prüfung, ob eine sichere Anreise möglich ist, muss die Durchquerung von Drittstaaten berücksichtigt werden", sagte er der "Bild am Sonntag". Sensburg schlug vor zu prüfen, "ob eine Vernehmung in einem sicheren Drittland oder per Video-Konferenz möglich ist".

Er warnte auch davor, den Ausschuss auf die Vernehmung Snowdens zu verengen. "Wir haben durch eine tiefgreifende Untersuchung die Chance, das Vertrauen der Bürger in elektronische Kommunikation wieder herzustellen. Für diesen Anspruch reicht die bloße Vernehmung von Snowden aber bei weitem nicht aus", sagte Sensburg.

Der 30-jährige Snowden lebt derzeit im russischen Exil. Seine Aufenthaltsgenehmigung läuft Ende Juli aus. Die US-Behörden suchen ihn mit internationalem Haftbefehl. Dem Bundesjustizministerium liegt laut dem "SZ"-Bericht bereits ein Festnahmeersuchen vor. Sollte dem Ex-Geheimdienstler für einen Deutschland-Besuch kein freies Geleit zugesichert werden, droht ihm die Auslieferung.