Oslo (dpa) | Dass die Skandinavier krimiverrückt sind, ist bekannt. Die Norweger setzen zu Ostern aber noch eins drauf. Statt besinnlich beieinander zu sein, beschäftigen sie sich mit Mord und Totschlag. Denn zu Ostern werden traditionell Krimis gelesen.

"Påskekrim", zu Deutsch "Osterkrimi", ist fast eine eigene Jahreszeit in Norwegen. Die Buchverlage sind vor den Feiertagen mit neuen spannenden Detektivromanen herausgekommen und im Fernsehen und im Radio laufen jede Menge Hörspiele und Serien, in denen geraubt und gemordet wird. "Skifahren und Krimis gehören einfach zusammen an Ostern", sagt Buchhändlerin Tone Ravlo. "Wir lieben es, vor der Hütte in der Sonne zu sitzen und eine spannende Geschichte zu lesen."

Auslöser des österlichen Gruselfiebers - so zumindest der Mythos - war ein cleverer Reklametrick vor 91 Jahren. Im Jahre 1923 schrieben die beiden Schriftsteller Nordahl Grieg und Nils Lie einen Kriminalroman mit dem Titel "Bergensbahn in der Nacht geplündert". Der Verlag Gyldendal, in dem das Buch erschien, startete eine Reklamekampagne. Am Sonnabend vor Ostern platzierte er eine Anzeige auf der ersten Seite der Tageszeitung "Aftenposten", direkt unter dem Namen der Zeitung. Der Buchtitel las sich wie eine Nachrichtenschlagzeile und viele Leser glaubten, der Zug sei tatsächlich überfallen worden.

Die Bahngesellschaft wurde mit Anrufen besorgter Angehöriger von Reisenden bombardiert. Das Buch aber wurde ein Erfolg und legte angeblich den Grundstein für die norwegische Osterkrimitradition.