Portland (dpa) | Ein 19-Jähriger schlendert den städtischen Wasserspeicher im Mount-Tabor-Stadtpark in Portland entlang. Er lehnt sich gegen das Eisengitter, öffnet seinen Hosenstall und lässt laufen. Was er nicht ahnt: Weil er sich um ein paar Hundert Milliliter erleichtert hat, wird die Stadt Portland fast 144 Millionen Liter Trinkwasser aus dem Speicher ablassen.

Die Pinkeltat ist von einer Überwachungskamera aufgezeichnet worden und der Täter wird angezeigt. Was daran verwundert: Alle tierischen Bewohner des Stadtparks können frei in das Reservoir urinieren. Bis das Wasser aus dem Hahn fließt, wird das Wasser also noch extra desinfiziert. Warum macht man also so viel Aufhebens um ein paar Hundert Milliliter menschlichen Urins? Die Antwort der Verantwortlichen klärt die Frage auch nicht. "Es ist einfach unsere Pflicht, Wasser zu stellen, das gleichbleibend sauber ist", sagt ein Vertreter der städtischen Wasserbehörde der Lokalzeitung "The Oregonian": "Urin gehört da nicht dazu. Menschlicher Urin zumindest nicht."

Vor drei Jahren hat die Stadt bereits rund 30 Millionen Liter Trinkwasser weggeschüttet, nachdem ein 21-Jähriger in Wasserspeicher eins uriniert hatte. Ähnliches ist in Deutschland undenkbar. Trinkwasser wird hier aus dem Grundwasser gewonnen, aus Brunnen, die 170 Meter in der Tiefe liegen.

Von dort aus wird das Wasser in unterirdische Sammeltanks gepumpt. "Unsere Trinkwasservorräte werden bewacht wie Banktresore", sagt Stefan Natz von den Berliner Wasserbetrieben: "Die Türen haben Sicherheitssensoren, man bräuchte schon einen Panzer, um unserem Wasser nahe zu kommen."