Slawjansk/Moskau (dpa) l In der Ostukraine droht eine Eskalation militärischer Gewalt. Spezialeinheiten der Regierung haben nach Angaben des Innenministeriums in Kiew nahe der Stadt Slawjansk in einem Gefecht fünf prorussische Separatisten erschossen. Moskau reagierte mit einem großen Manöver direkt an der Grenze. Präsident Wladimir Putin verurteilte den Einsatz der ukrainischen Armee im Inland als "sehr ernstes Verbrechen", das "Folgen" für die Regierung in Kiew haben werde.

Der Kremlchef bezeichnete die dort im Februar durch den Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch an die Macht gekommene Führung als "Junta" und "Bande". Putin hatte sich im März eine parlamentarische Vollmacht für einen Militäreinsatz zum Schutz russischer Bürger in der gesamten Ukraine geben lassen - vor dem Hintergrund des Anschlusses der Schwarzmeerhalbinsel Krim an Russland.

Granaten-Attacke

In der Ostukraine halten moskautreue Separatisten in mehreren Orten Verwaltungsgebäude besetzt. Sie fordern eine weitgehende Autonomie für das russisch geprägte Gebiet. Die vom Westen unterstützte Regierung in Kiew geht militärisch gegen die zum Großteil bewaffneten Milizen vor und spricht von einer "Anti-Terror-Operation".

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu nannte die Lage besorgniserregend. Es seien 11 000 ukrainische Soldaten im Einsatz gegen eine "friedliche" Bevölkerung. "Wenn diese Kriegsmaschine heute nicht gestoppt wird, dann wird dies zu einer großen Zahl Toter und Verletzter führen", warnte er.

Schoigu kritisierte zudem, dass die Verstärkung der Nato-Militärpräsenz in Polen und im Baltikum die Lage weiter angeheizt habe. Die USA hatten angekündigt, diese Woche rund 600 Soldaten zu Manövern in die drei baltischen Staaten und nach Polen zu entsenden. Erste Einheiten sind bereits in Polen.

Laut Innenministerium in Kiew eroberten Spezialeinheiten der Regierung nahe Slawjansk drei Kontrollpunkte. Dabei sei auch ein Mitglied der Sicherheitskräfte verletzt worden. Zuvor hatten auch Vertreter der moskautreuen "Volksmiliz" von Gefechten berichtet.

Im knapp 50 Kilometer südöstlich gelegenen Artjomowsk wehrten ukrainische Soldaten eine Offensive von etwa 100 Angreifern auf eines der größten Waffenlager ab. Die Unbekannten hätten die Kaserne unter anderem mit Granaten attackiert, sagte Interimspräsident Alexander Turtschinow.

Russland rief trotz der Gewalt zu "ernsthaften Verhandlungen" aller Seiten auf. Außenminister Sergej Lawrow sagte, die Ukraine müsse als blockfreier Staat zu einem Bindeglied zwischen Russland und Westeuropa werden.