Berlin - Der "harte Kern" der Langzeitarbeitslosen hat wegen fehlender Abschlüsse kaum Chancen auf dauerhafte Jobs. Die Koalition prüft nun Prämien, damit Betroffene eine Ausbildung nicht abbrechen. Kritiker sprechen von Durchhalteprämien.

Erwogen würden einmalige Prämien als zusätzliche Motivation, damit Arbeitslose eine Weiterbildung durchzögen, auch wenn sie davon möglicherweise finanzielle Nachteile hätten, sagte ein Sprecher des Arbeitsministeriums am Freitag in Berlin. Es gehe um Belohnungen und einen Ausgleich eventueller finanzieller Einbußen.

Ziel sei grundsätzlich, dass vor allem der "harte Kern" von Langzeitarbeitslosen nach einer Ausbildung wieder langfristig auf dem Arbeitsmarkt Fuß fasse. Fehlanreize für diejenigen, die sich mit Hilfsarbeiterjobs und Aufstocker-Sozialleistungen durchschlagen, sollen vermieden werden. Dauerhafte Prämien oder Zuschläge seien jedoch rechtlich schwierig: "Da sind wir eher skeptisch."

Kritik an den Plänen kommt aus der CSU: "Statt Langzeitarbeitslose mit Prämien abzuspeisen, müssen wir sie bei der nachhaltigen Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt individuell unterstützen", forderte Bayerns Arbeitsministerin Emilia Müller (CSU). Eine Fortbildungsprämie sei der völlig falsche Ansatz. Eine dauerhafte Eingliederung in den Arbeitsmarkt könne man so nicht erreichen.

Die Langzeitarbeitslosigkeit hat sich in Deutschland verfestigt: Im Schnitt sind trotz guter Beschäftigungsentwicklung eine Million erwerbsfähige Menschen ein Jahr oder länger ohne Arbeit. Rund 400 000 davon gelten aufgrund persönlicher Einschränkungen als schwer vermittelbar. Fördermittel wurden gekürzt.

30 000 von ihnen sollen durch ein neues Bundesprogramm Arbeit finden, wie bereits früher bekanntgegeben worden war. Starten soll es Anfang 2015. Gedacht ist es für Hartz-IV-Bezieher ohne Berufsabschluss. Wer sie einstellt, soll 18 Monate lang Lohnkostenzuschüsse erhalten, die Betroffenen selber sollen von Fachleuten betreut werden.