Berlin - Bei den traditionellen Demonstrationen von Linksradikalen am 1. Mai ist es in Hamburg und Berlin zu Gewalt und Krawallen gekommen. In beiden Städten warfen Randalierer Flaschen, Steine und Feuerwerksböller.

Dutzende Störer kamen in Polizeigewahrsam. In Berlin wurden in der Walpurgisnacht und am Mai-Feiertag 61 Polizisten verletzt, in Hamburg 20.

Die Hamburger Polizei klagte über ungewöhnlich aggressive Angriffe. Mehrmals hätten Vermummte mit Fahnenstangen Beamte direkt angegriffen und massiv mit Steinen und Flaschen beworfen, hieß es. Im Schanzenviertel errichteten kleinere Gruppen Barrikaden, zündeten sie an und warfen Schaufenster ein. Die Polizei, die 1900 Beamte einsetzte, ging mit Wasserwerfern, Schlagstöcken und Pfefferspray vor. Sanitäter der Veranstalter berichteten, auch 70 Demonstranten seien verletzt worden.

"Es war kurz, aber heftig", sagte Polizeisprecher Mirko Streiber. 15 Menschen seien festgenommen worden. An dem abendlichen Protestzug "Hamburg sieht rot" hatten rund 2200 Menschen teilgenommen - deutlich mehr als ursprünglich von der Polizei erwartet. Die Beamten stuften etwa 500 Demonstranten als gewaltbereit ein.

In Berlin waren rund 6400 Polizisten aus zehn Bundesländern im Einsatz - auch bei einem friedlichen Volksfest in Kreuzberg mit Hunderttausenden Besuchern. Gegen Abend marschierten rund 19 000 Teilnehmer der alljährlichen "Revolutionären 1.-Mai-Demonstration" zur Zentrale der Bundes-SPD - ebenfalls weit mehr als erwartet. Am Rande kam es mehrmals zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Nach Angaben von Innensenator Frank Henkel (CDU) wurden rund um den 1. Mai 68 mutmaßliche Randalierer festgenommen. Er nannte es unerträglich, dass 61 Polizisten verletzt worden seien. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sprach von einem "relativ friedlichen" 1. Mai. Die Taktik der Polizei sei aufgegangen. "Ihr Weg der Deeskalation, des Aufeinanderzugehens, trägt immer mehr Früchte." Polizeisprecher Stefan Redlich sagte: "Wir sind sehr zufrieden."

Der Berliner Protestforscher Dieter Rucht erklärte im dpa-Gespräch den überraschend großen Zulauf zu den Revolutionären 1.-Mai-Demonstration mit mehreren Faktoren. Zum einen trauten sich mehr Menschen dorthin, weil die Gewalt in den letzten Jahren abgenommen habe. Zum anderen seien mehr Partygänger und Schaulustige unterwegs, von denen sich einige einreihten. Und als dritten Grund vermutet der emeritierte Professor einen wachsenden Unmut über die politischen Verhältnisse.

Gewalt bei linken 1.-Mai-Demos in Berlin u...

Berlin - Bei den traditionellen Demonstrationen von Linksradikalen am 1. Mai ist es in Hamburg und Berlin zu Gewalt und Krawallen gekommen. In beiden Städten warfen Randalierer Flaschen, Steine und Feuerwerksböller.

  • Ganz entspannt schlendert eine junge Frau an der Hamburger Polizei vorbei.

    Ganz entspannt schlendert eine junge Frau an der Hamburger Polizei vorbei.
    Quelle: Maja Hitij

  • Die Berliner Stadtreinigung beseitigt die Spuren des überwiegend friedlichen 1. Mai.

    Die Berliner Stadtreinigung beseitigt die Spuren des überwiegend friedlichen 1. Mai.
    Quelle: Paul Zinken

  • In Kreuzberg wurden Polizisten mit Farbbeuteln beworfen, insgesamt war es ruhiger als im Vorjahr.

    In Kreuzberg wurden Polizisten mit Farbbeuteln beworfen, insgesamt war es ruhiger als im Vorja...
    Quelle: Michael Kappeler

  • Die Hamburger Mai-Demonstration eskalierte nur kurzfristig zur Straßenschlacht.

    Die Hamburger Mai-Demonstration eskalierte nur kurzfristig zur Straßenschlacht.
    Quelle: Markus Scholz

  • Teilnehmer der Mai-Demo in Kreuzberg.

    Teilnehmer der Mai-Demo in Kreuzberg.
    Quelle: Ole Spata

  • Handgemenge bei der Mai-Demonstration in Hamburg.

    Handgemenge bei der Mai-Demonstration in Hamburg.
    Quelle: Markus Scholz

  • Rund 200 Linke versammeln sich in Plauen in der Nähe eines Neonazis-Aufzuges.

    Rund 200 Linke versammeln sich in Plauen in der Nähe eines Neonazis-Aufzuges.
    Quelle: Hendrik Schmidt

  • Polizeiabsperrung in Berlin-Kreuzberg.

    Polizeiabsperrung in Berlin-Kreuzberg.
    Quelle: Michael Kappeler