Halle - Zwei Billionen Euro soll die Deutsche Einheit bisher gekostet haben. Diese Einheitsbilanz des Berliner Forschers Klaus Schroeder stößt bei ostdeutschen Politikern auf Kritik.

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke (SPD), sagte dem Sender MDR Info, es sei falsch und ärgerlich, dass Leistungen mitgerechnet würden, die auch Westländer erhielten. Zudem fehle in der Rechnung beispielsweise, wie viele gut ausgebildete Menschen in den vergangenen Jahren in den Westen abgewandert seien und dort die Wirtschaft unterstützten, sagte Gleicke dem Sender. Sie befürchtet demnach, dass die Aufrechnung einen neuen Anlass bieten könnte, um über ein Ende der Ostförderung zu diskutieren.

Forscher Schroeder hatte errechnet, dass die Deutsche Einheit bislang rund zwei Billionen Euro gekostet hat. 60 bis 65 Prozent dieses Geldes seien in den Sozialbereich geflossen, davon wiederum ein Großteil in die Rente, hatte der wissenschaftliche Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat der Freien Universität Berlin der "Welt am Sonntag" gesagt.

Ähnlich wie Gleicke äußerte sich auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Im 25. Jahr der friedlichen Revolution empfinde er solche Debatten und Aufrechnungen "als Zumutung", sagte Haseloff der "Mitteldeutschen Zeitung" (Montag). Der sächsische CDU-Generalsekretär, Michael Kretschmer, sieht keinen Grund für Debatten um die Kosten der Deutschen Einheit: "In der jungen Generation ist das Thema Ost/West kein Thema mehr - und das ist gut so."