Ohio (egw) | Die Szene ist mittlerweile allgegenwärtig: Ein Fußgänger läuft mit gesenktem Kopf über die Kreuzung, den Blick auf sein Smartphone gerichtet. Die Ampel springt auf rot, Autos hupen, ein Unfall ist manchmal unausweichlich.

In der US-Stadt Ohio mussten 2010 mehr als 1500 Passanten in ein Krankenhaus, nachdem sie parallel zum Laufen auf ihrem Handy tippten oder telefonierten. Inzwischen beschäftigt das "distracted walking" (abgelenktes Laufen) sogar die US-Regierung.

Während Autofahrern die Handy-Nutzung ähnlich wie in Deutschland in vielen US-Staaten verboten ist, lässt sich das für Fußgänger nicht so einfach umsetzen. Bisher schaffte es nur die Stadt Rexburg im Bundesstaat Idaho, ein Gesetz durchzubringen, das SMS-Schreiben auf Kreuzungen oder Zebrastreifen verbietet. Wer dagegen verstößt, muss 100 Dollar (72 Euro) Strafe zahlen.

Weil Strafen kaum durchsetzbar sind, hat sich das US-Verkehrsministerium des Themas angenommen und experimentiert in Portland (Oregon) mit sprechenden Bussen. Seit März wurden 45 Busse des örtlichen Verkehrsverbundes mit unterschiedlichen Schrecksystemen ausgestattet. Aus Lautsprechern an den Bussen ertönen Sätze wie: "Fußgänger, der Bus biegt ab." Getestet werden auch visuelle Warnsignale wie das Aufleuchten von LED-Lichtern am Bus.

Die größte Aufmerksamkeit würden die Verkehrshüter vermutlich erzielen, wenn sie das "Vorsicht, Bus!" dahin beamen, worauf sich die Surfer am meisten konzentieren: aufs Handy.