Berlin - Verdächtige Briefe an Alt-Kanzler Gerhard Schröder und mehrere andere Politiker haben umfangreiche Ermittlungen der Polizei ausgelöst.

Kriminaltechnische Untersuchungen ergaben aber, dass die Substanz in den Umschlägen in allen Fällen ungiftig war, wie die Nachrichtenagentur dpa am Dienstag aus Sicherheitskreisen erfuhr. Die Adressaten seien zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen, hieß es. Post mit verdächtigem Inhalt hatten neben Schröder auch Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne), die Linke-Politikerinnen Katja Kipping und Gesine Lötzsch erhalten, ebenso die Ehefrau von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Unklar war zunächst, wer hinter den ominösen Briefen steckt.

Die meisten der Umschläge mit einer losen bräunlichen Substanz waren in den vergangenen Tagen eingegangen. In Schäubles Fall ging der Brief an die Privatadresse des Paares in Baden-Württemberg. Auch drei russische Generalkonsulate - in Hamburg, Bonn und Leipzig - erhielten solche Post. Nach Angaben der Sicherheitskreise sahen alle Schreiben ähnlich aus. Das Internetportal "bild.de" hatte als erstes über die verdächtigen Briefe berichtet.

Bis zum Abend gab es keine Hinweise auf den Hintergrund. Die Ermittlungen dazu dauerten an. In den Sicherheitskreisen hieß es, arabische Schriftzeichen auf den Umschlägen könnten auf eine salafistische Gruppierung hindeuten. Noch seien die Zusammenhänge aber unklar.

Offen blieb zunächst auch, ob die Aktion mit der Debatte über die Rolle Russlands in der Ukraine-Krise zu tun haben könnte. Schröder beispielsweise hatte das russische Vorgehen in dem Konflikt offensiv verteidigt.

Am Montagabend war eine Geburtags-Nachfeier des Ex-Kanzlers wegen einer Bombendrohung unterbrochen worden. Mit einer vorherigen Geburtstagsparty in St. Petersburg und einer herzlichen Umarmung mit Kremlchef Wladimir Putin mitten in der Ukraine-Krise hatte Schröder bereits Ende April viel Kritik auf sich gezogen. Er war am 7. April 70 Jahre alt geworden.