Sanaa - Ein im Jemen von Stammesangehörigen entführter Deutscher ist nach dreieinhalb Monaten Geiselhaft wieder auf freiem Fuß. Dies teilte das Auswärtige Amt in Berlin am Abend mit. Der Mann war Ende Januar in der Hauptstadt Sanaa von Bewaffneten verschleppt worden.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte sich erleichtert darüber, dass der Mann am Dienstag frei gekommen ist. Ihm gehe es den Umständen entsprechend gut, sagte eine Ministeriumssprecherin. Der Mann befand sich am Abend in der Obhut der deutschen Botschaft in Sanaa. Nach Informationen des Senders MDR stammt das Entführungsopfer aus Haldensleben in Sachsen-Anhalt.

Steinmeier dankte allen, die an der Freilassung beteiligt waren, insbesondere dem Staatspräsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi und der Regierung in Sanaa.

Nach einem Bericht des lokalen Nachrichtenportals "Mareb Press" ließ die Regierung im Gegenzug zwei inhaftierte Verwandte der Kidnapper frei. Die Stammesangehörigen stammten demnach aus der östlichen Provinz Marib.

Der Fernsehsender "Al-Yemen Al-Youm" meldete, der Deutsche sei mit einem Hubschrauber aus dem Stammesgebiet gebracht worden. Auch diesen Informationen zufolge war die Forderung der Entführer erfüllt worden. Mehrere Stammesführer und der Gouverneur der Provinz Al-Jawf hatten in der Geiselkrise vermittelt.

Die Entführer hatten nach örtlichen Medienberichten noch vor kurzem gedroht, den angeblich schwer kranken Mann an das Terrornetzwerk Al-Kaida zu "verkaufen".

Entführungen von Ausländern sind im Jemen nicht selten. In den meisten Fällen wollen die Kidnapper die Freilassung von Miliz- oder Stammesangehörigen aus dem Gefängnis erzwingen oder Forderungen nach Lösegeld durchsetzen. Das Auswärtige Amt warnt Bundesbürger bereits seit längerer Zeit vor allen Reisen in den Jemen.

Erst Ende April war bei einem Entführungsversuch im Jemen ein deutscher Diplomat verletzt worden. Nach Informationen der Website "Barakish.net" versuchten mehrere bewaffnete Männer in Sanaa, mit Waffengewalt ein Auto mit zwei deutschen Diplomaten zu stoppen.