Stuttgart - Bei dem Guantánamo-Häftling, der in Deutschland aufgenommen werden könnte, handelt es sich um den Marokkaner Younous Chekkouri. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag aus Sicherheitskreisen in Baden-Württemberg.

Das Land hatte bereits vor einem Monat seine grundsätzliche Bereitschaft zur Aufnahme des Mannes bekundet.

Nach dpa-Informationen wären für seine Übersiedlung jedoch umfangreiche Vorbereitungen nötig. Zumindest anfangs gehören Überwachung und intensive Betreuung des Mannes dazu. Außerdem muss noch die Frage der Kosten zwischen Bund und Land geregelt werden.

Das Bundesinnenministerium hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass die Regierung nach einer Anfrage aus Washington die Aufnahme des Häftlings aus dem umstrittenen US-Gefangenenlager Guantánamo Bay prüft. Details wurden nicht genannt.

Mitte April hatte der "Spiegel" in dem Zusammenhang den Namen Chekkouri genannt. Er sei 2001 in Pakistan festgenommen und dann über Afghanistan nach Guantánamo gebracht worden. Seit Jahren stufe ihn das US-Militär als ungefährlich ein. Eine Ausreise nach Marokko habe der Häftling jedoch abgelehnt, weil er dort Gefangenschaft und Folter fürchte. Angehörige Chekkouris lebten in Baden-Württemberg.

US-Präsident Barack Obama will das Gefangenlager auf Kuba mittelfristig schließen. Anfang des Jahres wurden dort noch rund 150 Häftlinge festgehalten, die teils vor mehr als zehn Jahren wegen Terrorverdachts festgenommen worden waren.

Deutschland hatte zuletzt im Jahr 2010 zwei Guantánamo-Häftlinge aufgenommen, einen Palästinenser und einen Syrer. Bereits im Jahr 2006 kehrte der gebürtige Bremer Murat Kurnaz nach mehr als viereinhalb Jahren in dem Gefangenenlager als freier Mann nach Deutschland zurück.