München - Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat Forderungen nach einem schnelleren Reformtempo in der katholischen Kirche zurückgewiesen.

"Freilich wollen jetzt wieder einige, dass der Papst alles in die Hand nimmt", sagte der Münchner Erzbischof in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa vor Beginn des Katholikentags in Regensburg. "Ich bin erstaunt: Vorher wird kritisiert, dass Rom alles bestimmt. Jetzt soll Rom auch wieder alles bestimmen und durchregieren. Das will der Papst aber nicht."

Stattdessen habe Franziskus eine breite Diskussion über Fragen der Ehe und Familie angestoßen. Der Katholikentag biete dafür eine gute Gelegenheit, betonte Marx.

Ein Thema des am Mittwoch beginnenden Laientreffens ist der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) kann sich eine Segnung solcher Paare vorstellen. Marx betonte dagegen, dies müsse auf weltkirchlicher Ebene beraten und entschieden werden: "Wir können ja nicht einfach sagen: Wir in Deutschland machen mal etwas ganz anderes, und nach unseren Vorstellungen läuft das jetzt ab."

Zurückhaltend reagierte Marx auch auf ein anderes Thema, über das in Regensburg diskutiert wird: die Schwangerenkonfliktberatung, aus der die katholische Kirche 1999 ausgestiegen war. Das ZdK fordert, dass die Mitarbeiter des Vereins "Donum Vitae", der schwangere Frauen berät, innerkirchlich nicht länger ausgegrenzt werden. "Das ist eine Verantwortung der Bischöfe vor Ort", sagte Marx. "Ich sehe da eigentlich im Moment keinen Handlungsbedarf. Für das Erzbistum München und Freising kann ich das jedenfalls sagen."

Zum 99. Deutschen Katholikentag werden mehrere Zehntausend Gläubige erwartet. Bis zum 1. Juni wollen sie bei dem größten katholischen Laientreffen mit mehr als 1000 Veranstaltungen über die Zukunft ihrer Kirche diskutieren, gemeinsam beten und feiern. Bundespräsident Joachim Gauck ist bei der Eröffnungsveranstaltung dabei und diskutiert einen Tag später auf einem Podium über die Frage, wieviel Religion eine säkulare Gesellschaft verträgt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nimmt am Freitag an einem Podium zum Thema Europa teil.