Berlin - Seit Jahren steigt die Ökostrom-Umlage zur Finanzierung der Energiewende. Nun erwarten Experten erstmals eine Trendwende. Und damit für Bürger und Mittelstand etwas Entspannung beim Strompreis.

Gute Nachricht für die Haushalte: Die seit Jahren steigende Ökostrom-Umlage kann im kommenden Jahr erstmals wieder sinken. Das Öko-Institut und das Fachinstitut Agora Energiewende berechneten auf Basis der bisher zugrunde gelegten Eckpunkte eine Umlage von netto 5,84 Cent je Kilowattstunde statt derzeit 6,24 Cent. Für die Verbraucher kann das zumindest stabile Strompreise und ein Ende der starken Steigerungen wie in den vergangenen Jahren bedeuten. Die Ergebnisse liegen der Deutschen Presse-Agentur vor.

Nur wenn enorm viel Wind- und Solarstrom im Sommer produziert wird und entsprechend viele Vergütungszahlungen anfallen, wird demnach mit einer Umlage in der Größenordnung der aktuellen Umlage gerechnet.

Sprünge wie in den letzten Jahren werden quasi ausgeschlossen - 2010 lag sie erst bei 2,047 Cent. Bei 5,84 Cent Umlage müsste ein Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden 204 Euro statt derzeit 218 Euro Umlage im Jahr über den Strompreis zahlen, zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Grünen-Chefin Simone Peter sprach von einer guten Nachricht für die Verbraucher und forderte einen raschen Ausbau von Wind- und Solarenergie. "Damit zeigt sich, dass es keinen Grund gibt, die erneuerbare Energie auszubremsen, wie es die große Koalition mit ihrer EEG-Reform plant", sagte Peter in Berlin.

Die Verbraucher zahlen per Umlage die Differenz zwischen dem für den Ökostrom an der Strombörse erzielten Preis und dem auf 20 Jahre garantierten Fördersatz. Wegen anderer Energiewendekosten, etwa für den Netzausbau, ist aber ein Sinken der Strompreise kaum zu erwarten.

Die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Umlage macht knapp 20 Prozent des Strompreises der Verbraucher aus. Auch für 2016 wird mit einer geringeren Umlage als heute gerechnet - Grund sei vor allem ein Milliardenüberschuss auf dem Umlagekonto, hieß es.

Derzeit ist das Konto mit 1,8 Milliarden Euro im Plus, auch weil bei der aktuellen Umlage ein Puffer eingebaut worden war. Entscheidend für die Bestimmung ist der Kontostand am 30. September. Der Betrag für das nächste Jahr wird am 15. Oktober veröffentlicht. In der Vergangenheit lagen die Institute nah an der tatsächlichen Umlage.

"Wir haben zwei Jahre lang sehr niedrige Kontostände und ein hohes Defizit gehabt. Das jetzige hohe Plus ist der große Unterschied und hauptverantwortlich für das Sinken der Umlage", betonte Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Die Berechnungen preisen bereits die geplante Neuregelung der Bundesregierung bei den Industrie-Rabatten und der Ökostrom-Vergütung ein, sowie Annahmen der für die Umlageberechnung zuständigen Übertragungsnetzbetreiber zur Ökostromproduktion im Sommer und zur Entwicklung an der Strombörse.

Im Bundestag finden kommende Woche Fachanhörungen zu den Reformplänen von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) statt. Besonders umstritten ist, dass weiterhin Hunderte energieintensive Unternehmen umfassende Rabatte bei den Förderkosten für Wind- und Solarstrom bekommen. Zwar wird das System komplett umgestellt, aber laut Gabriel wird das Rabattvolumen weiterhin rund fünf Milliarden Euro betragen.

"Eine um eine Milliarde geringere Privilegierung würde die Umlage um etwa 0,3 Cent senken", betonte der Energieexperte des Öko-Instituts, Felix Matthes. Neue Anlagen würde dank gesunkener Vergütungssätze hingegen nur noch mit 0,2 bis 0,3 Cent pro Jahr zu Buche schlagen.