Köln - Mit Musik und Lesungen hat Köln am zweiten Tag des Kulturstraßenfests an den fremdenfeindlichen Nagelbombenanschlag von vor zehn Jahren erinnert. Die Veranstaltungsreihe erstreckt sich über insgesamt drei Tage.

Sie ist dem Gedenken an die Opfer des Attentats gewidmet, das der der Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) zugeordnet wird. Die mit Nägeln gefüllte Bombe war am 9. Juni 2004 in der überwiegend von Migranten bewohnten Keupstraße explodiert und hatte 22 Menschen zum Teil schwer verletzt.

Am Sonntag wurde fröhlich gefeiert in den Geschäften und Hinterhöfen der Keupstraße, die als eine Sammelstelle des türkischen Geschäftslebens in der Stadt gilt. Auf über 30 Bühnen spielte Musik, liefen Filme, wurde Literatur vorgelesen. Betroffene berichteten von ihren Erlebnissen. Menschen verschiedener Herkunft standen zusammen. "Birlikte - Zusammenstehen" ist auch das Motto des dreitägigen deutsch-türkischen Kunst- und Kulturfests.

Auch dort war der Irrtum der deutschen Behörden ein Thema. Die Polizei hatte lange nicht an einen rechtsextremen Hintergrund geglaubt; erst Ende 2011 wurde deutlich, dass die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt wohl auch für diesen Anschlag verantwortlich waren. "Die falschen Verdächtigungen der Behörden waren für mich der eigentliche Anschlag, fast noch schlimmer als die Tat selbst", sagt Uzay Özda, der in einer Familienkonditorei in der Keupstraße arbeitet. Mit Kollegen hat er für das Straßenfest eine große Torte gebacken: gekrönt von Miniaturmenschen verschiedener Herkunft, die sich an den Händen halten - "Birlikte".

Zur Abschlusskundgebung am Montag wird auch Bundespräsident Joachim Gauck erwartet.