Nürnberg - Trotz moderat steigender Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien ist die Zahl der Hartz-IV-Bezieher aus den beiden Ländern nach Experteneinschätzung deutlich gewachsen. Im Februar - dem aktuellsten Wert - seien 52 800 Bulgaren und Rumänen von Jobcentern finanziell unterstützt worden.

Dies seien rund 20 000 oder 60 Prozent mehr als vor einem Jahr, zeigen neueste Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegen.

Mit einer Quote von 12,2 Prozent liege die Bezieherquote bei Bulgaren und Rumänen aber immer noch deutlich unter der aller Ausländer, gaben die Arbeitsmarktforscher zu bedenken. Diese betrage aktuell rund 16 Prozent. Bulgaren bezögen allerdings mit einer Quote von 18,8 Prozent doppelt so häufig Hartz IV wie Rumänen; von ihnen waren im Februar nur 8,6 Prozent ganz oder teilweise auf die Jobcenter-Leistungen angewiesen.

Viele der auf Grundsicherung angewiesenen Bulgaren und Rumänen lebten weiterhin in einigen wenigen Großstädten. Besonders stark sei seit Jahresanfang die Zahl der Hartz-IV-Bezieher aus beiden Ländern in Dortmund (plus 25,0 Prozent), Duisburg (plus 24,5 Prozent), Stuttgart (plus 23,7 Prozent) und Hamburg (plus 22,8 Prozent) gestiegen.

Die Arbeitsmarktforscher schließen nicht aus, dass die Zahl der Hartz-IV-Empfänger aus diesen beiden EU-Staaten weiter steigt. "Ob diese beiden Gruppen später auch von der günstigen Arbeitsmarktentwicklung profitieren können, bleibt abzuwarten", urteilt IAB-Experte Herbert Brücker. Denkbar sei, das besser qualifizierte Bulgaren und Rumänen - wie schon jetzt - rasch Arbeit fänden, während gering qualifizierte Zuwanderer weiter auf Hartz-Leistungen angewiesen blieben.

Dagegen scheint sich der Zustrom von Zuwanderern aus den beiden Ländern saisonbereinigt abzuschwächen. In den ersten vier Monaten kamen nach IAB-Informationen rund 40 000 nach Deutschland; dies seien zwar rund 41 Prozent mehr als von Januar bis April 2013.

Bis zum Jahresende rechnet das IAB mit 120 000 bis 160 000 Zuwanderern aus beiden Ländern. Die meisten Bulgaren und Rumänen seien gut in den Arbeitsmarkt integriert worden, wie die sinkende Arbeitslosenquote für dies Gruppe zuletzt gezeigt habe. Die Quote sank im Februar von 11,3 Prozent auf 10,5 Prozent im März.