Bagdad (dpa) l Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat im Kampf gegen die Terrorgruppe Isis eine schwere politische Niederlage einstecken müssen. Das Parlament in Bagdad verweigerte dem umstrittenen Regierungschef Notstandsmaßnahmen, die ihm mehr Befugnisse gegeben hätten.

Isis-Kämpfer rückten am Donnerstag bis auf 60 Kilometer an Bagdad heran. Dort kamen bei Gefechten zwischen den Islamisten und der irakischen Armee Dutzende Menschen ums Leben, wie die Nachrichtenseite "Al-Sumaria News" berichtete. Der Vormarsch der Islamisten konnte gestoppt werden.

Bagdad bittet die USA um Drohneneinsätze

Irakische Streitkräfte eroberten die von Isis eingenommene Stadt Tikrit zurück, wie das staatliche irakische Fernsehen meldete. Isis behauptete, bereits ins 130 Kilometer von Bagdad entfernte Samarra eingedrungen zu sein.

Im Internet kursierten Fotos, die irakisches Militärgerät mit der schwarzen Flagge der Isis zeigten. In einem Youtube-Video rief Isis-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani die Kämpfer auf, weiter bis nach Bagdad vorzudringen, wo "es eine Rechnung zu begleichen" gebe. Gemeint ist ein Angriff auf die Regierung des schiitischen Ministerpräsidenten Al-Maliki. Dieser bat die US-Regierung um Luftunterstützung mit Drohnen. Drohneneinsätze lehnte Washington bisher laut "New York Times" ab.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf Isis Bombenanschläge in Wohngebieten, Massenexekutionen, Folter, Diskriminierung von Frauen und die Zerstörung kirchlichen Eigentums vor.

Isis-Kämpfer erbeuten 318 Millionen Euro

Die Isis-Kämpfer hatten am Dienstag zunächst Mossul nahezu kampflos eingenommen. Am Mittwoch drangen die Isis-Truppen bis Samarra vor. Unterwegs wurden die Regionen Ninive, Anbar und Salah ad-Din erobert. In Mossul flohen binnen weniger Stunden rund 500.000 Menschen vor den Extremisten. Fast 50 Mitarbeiter des türkischen Konsulats, darunter der Konsul, wurden als Geiseln genommen. Nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen sind rund eine Million Iraker auf der Flucht.

Nach Berichten des kurdischen Fernsehens erbeuteten die Isis-Kämpfer in Mossul 500 Milliarden irakische Dinar (318 Millionen Euro) in der Zentralbank. Sollten sich die Meldungen bestätigen, würde dies Isis zur reichsten Terrororganisation vor Al-Qaida machen. Experten schätzen das Vermögen von Al-Qaida auf 50 bis 280 Millionen Euro.

Kurdische Armee übernimmt Kirkuk

Inzwischen übernahm die kurdische Armee die Kontrolle in der nordirakischen Stadt Kirkuk. Die Peschmerga genannten Streitkräfte seien seit Donnerstag in der multiethnischen Stadt, nachdem irakische Streitkräfte geflohen seien, berichtete die kurdische Nachrichtenseite Rudaw. Man könne nicht riskieren, dass die in Kirkuk lebenden Kurden in die Hände von Isis-Kämpfern fallen, wurde ein kurdischer Armeesprecher zitiert.

Die im Osten gelegene Stadt Kirkuk lag zunächst nicht auf der Route der Isis-Kämpfe. Nach kurzen Gefechten mit den Peschmerga am Mittwoch zog sich Isis wieder aus der Region um Kirkuk zurück.

Kirkuk ist für den Irak von zentraler Bedeutung. Rings um die Stadt liegen die größten Ölreserven des Landes. Die irakische Regierung wie die halbautonome kurdische Regierung im Nordirak erheben Ansprüche auf Kirkuk.

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