Stuttgart- Die Rechtsanwälte in Deutschland fürchten wegen der Spähaffäre um den US-Geheimdienst NSA, das Vertrauen ihrer Mandanten zu verlieren.

"Der Anwalt ist Teil der Rechtspflege. Bürger sollten sich ihm ohne Angst anvertrauen können", sagte der Präsident des Deutschen Anwaltvereins, Wolfgang Ewer, der Nachrichtenagentur dpa. Die Spähangriffe hätten die Anwälte daher sehr beunruhigt.

Die NSA-Affäre, die Datensammelwut und die Preisgabe persönlicher Daten im Internet - diese Themen werden daher als Schwerpunkte beim Deutschen Anwaltstag beleuchtet, der am Donnerstag in Stuttgart beginnt. Ein weiteres Thema der vom Anwaltverein organisierten zweitägigen Veranstaltung ist die Bedeutung des Mauerfalls vor 25 Jahren für die Anwaltschaft.

Anwalt Ewer kritisierte zudem Überlegungen, im strukturschwachen Raum Amtsgerichte zu schließen. Die Justiz erweise sich damit einen Bärendienst, sagt er. Die Menschen bräuchten eine "bürgernahe Justiz".

Der Anwaltstag findet jährlich statt. Das Motto des diesjährigen 65. Anwaltstages lautet "Freiheit gestalten". Erwartet werden etwa 1500 Teilnehmer aus Justiz, Politik und Gesellschaft. Geplant ist unter anderem eine Podiumsdiskussion über rechtliche Fragen bei der die Nutzung sozialer Medien.

Am Donnerstag sollen darüber hinaus Bundesverfassungsrichter Johannes Masing und der Vizepräsident des Europäischen Gerichtshofes in Luxemburg, Koen Lenaerts, über das Verhältnis von deutschem und internationalem Recht diskutieren.