Berlin - Tabakwerbung soll nach dem Willen der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler (CSU) in Deutschland verboten werden: "Wenn wir glaubhaft bleiben sollen, ist für mich ein Tabakwerbeverbot auf Plakaten überfällig".

"Noch in diesem Jahr möchte ich intensive Gespräche in der Bundesregierung darüber führen.", sagte Mortler der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

Bereits in der vergangenen Legislaturperiode gab es Bestrebungen unter anderem von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) für ein solches Verbot. Doch sie scheiterten unter anderem am Widerstand des von Philipp Rösler (FDP) geführten Wirtschaftsministeriums. Mortler räumte ein, sie müsse sich zunächst um Mehrheiten bemühen. Während Zigarettenreklame in Fernsehen, Zeitschriften und Zeitungen nicht erlaubt ist, dürfen die Hersteller auf Plakaten und abends im Kino weiter werben.

"Es gibt erfreulicherweise immer weniger junge Menschen, die mit dem Rauchen beginnen", sagte Mortler. "Nichtrauchen muss zum Normalfall werden." Davon ist Deutschland nach den offiziellen Zahlen aber weit entfernt. Zwar gibt es wegen des Nichtraucherschutzes in Gaststätten heute weit weniger Kritik als zur Einführung. Doch rund 30 Prozent der Erwachsenen rauchen.

Bei Alkoholwerbung forderte Mortler von der Branche eine stärkere Einhaltung ihrer Selbstverpflichtung. "Es gibt viele Aktivitäten, jungen Leuten im Internet Alkohol schmackhaft zu machen", sagte die Beauftragte der Bundesregierung. "Ich werde gegenüber dem Werberat darauf drängen, dieses Defizit zu beseitigen."

Die Verhaltensregeln des Deutschen Werberats müssten von den Unternehmen beachtet werden. "Diese erfassen jede Art der kommerziellen Kommunikation", so Mortler. "Aber online - in sozialen Netzwerken und Suchmaschinen - kommt die Wirtschaft den Regeln zu wenig nach."

Eine Aufforderung der Ärzteschaft vom jüngsten Ärztetag, Werbung für Alkohol einzuschränken, nehme sie ernst. "Wir haben in Deutschland vier Mal so viele Tote durch Alkoholmissbrauch zu beklagen als Verkehrstote", sagte Mortler.

Bei den 12- bis 17-Jährigen gebe es zwar einen Rückgang derer, die mit Trinken anfangen - bei den 18- bis 25-Jährigen aber in einzelnen Gruppen viele sogenannte Komasäufer. Größeres Bewusstsein für zurückhaltenden Alkoholkonsum sei in der Gesellschaft nötig. Mit Aufklärung solle mehr jungen Leuten vor Augen geführt werden, was maßloses Trinken anrichte.

Ein Augenmerk wolle sie auf die 2,6 Millionen Kinder legen, die in suchtbelasteten Familien lebten. "Wir müssen stärker die Familie als Ganzes in den Blick nehmen und die Zuständigkeiten der Behörden besser vernetzen, um den betroffenen Kindern in den Familien frühzeitiger Hilfen anbieten zu können." Zudem wolle sie sich weiter gegen Alkohol in der Schwangerschaft einsetzen.