München - Das Terrortrio NSU hat offenbar auch gegenüber Unterstützern seine Decknamen benutzt. Ein mutmaßlicher Helfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds", der für die Gruppe Wohnungen gemietet hatte, will jedenfalls nur die falschen Namen der drei gekannt haben.

Ein Vernehmungsbeamter sagte am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht, er habe den Eindruck gehabt, dass Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe den Mann lediglich als Hauptmieter benutzten. "Ich habe ihn schon ein bissel als naiv eingeschätzt", sagte der Beamte. Böhnhardt habe sich dem Helfer gegenüber als "Gery" ausgegeben, Mundlos als "Max" und Zschäpe als "Lisa".

Der arbeitslose Fleischer, der damals als Kraftfahrer arbeitete, soll für das Trio ab 2001 die Wohnung in der Zwickauer Polenzstraße und später die in der Frühlingsstraße 26 gemietet haben. Dort hatte Zschäpe laut Anklage nach dem Tod von Mundlos und Böhnhardt am 4. November 2011 Feuer gelegt und das Gebäude in die Luft gesprengt.

Der Beamte sagte weiter, er selbst habe damals nichts von den Morden des NSU gewusst. "Das ganze Ausmaß war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt." Er habe sich gewundert, dass der Mann zu der Vernehmung gleich mit Anwalt kam: "Das ist aus meiner beruflichen Tätigkeit eher ungewöhnlich." Der 38-Jährige selbst verweigerte die Aussage, da die Bundesanwaltschaft gegen ihn ermittelt.

Für den Nachmittag ist der Bruder des mutmaßlichen NSU-Mörders Uwe Böhnhardt als Zeuge geladen. Ob der Bruder das Trio im Untergrund unterstützt hatte, ist offen - über seine Rolle ist bisher nur wenig bekannt.

Der Prozess hatte mit einer dreiviertel Stunde Verzögerung begonnen - Zschäpe hatte über Kopfschmerzen geklagt. Anwältin Anja Sturm kritisierte das Gericht, weil das Unwohlsein ihrer Mandantin sofort öffentlich bekannt wurde: "Ich möchte Sie bitten, die Persönlichkeitsrechte der Mandanten zu wahren."

Zschäpe ist die einzige Überlebende des Trios. Der "Nationalsozialistische Untergrund" (NSU) steht im Verdacht, neun Einwanderer und eine Polizistin zwischen 2000 und 2007 ermordet zu haben.