Berlin/Wiesbaden - Bund und Kommunen haben große Anstrengungen unternommen - aber beim Ausbau der Kinderbetreuung für unter Dreijährige gibt es immer noch erheblichen Nachholbedarf.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes fanden zum 1. März knapp 662 000 Kleinkinder einen staatlich geförderten Betreuungsplatz - entweder in einer Kita oder bei einer Tagesmutter. Das entspricht einer bundesweiten Betreuungsquote von 32,5 Prozent. Nach einer jüngsten Befragung wünschen sich allerdings 41,7 Prozent der Eltern ein solches Betreuungsangebot. Seit dem 1. August 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch darauf.

In den vergangenen acht Jahren hat sich die Zahl der Plätze mehr als verdoppelt. 2006 gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bundesweit erst rund 287 000 Betreuungsplätze.

Im März 2013 hatte nach Angaben des Bundesfamilienministeriums die Betreuungsquote bei 29,3 Prozent gelegen. Die Zahl der betreuten Kleinkinder stieg in den vergangenen zwölf Monaten um 64 000 oder 10,6 Prozent. Das Ministerium ist zuversichtlich, dass bis Ende 2016 insgesamt 811 000 Plätze zur Verfügung stehen. Die meisten seien bei den Kommunen in Planung oder im Bau. Die Bundesmittel stünden dafür bereit.

Nach wie vor ist die Situation regional sehr unterschiedlich. Während in den ostdeutschen Bundesländern zum Teil schon Betreuungsquoten von etwa 50 Prozent erzielt werden, gibt es im Westen - vor allem in Großstädten - noch erheblichen Nachholbedarf. Die größten Steigerungsraten von 2013 bis 2014 wiesen unter den Flächenländern Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein auf, wo die Zahl der Betreuungsplätze um 20 beziehungsweise 13,7 Prozent stieg.

Aber auch bei der Elternnachfrage gibt es erhebliche regionale Unterschiede. Selbst innerhalb einer Kommune können die Elternwünsche zwischen verschiedenen Stadtteilen um bis zu 27 Prozentpunkte schwanken, zeigte eine jüngste Umfrage des Deutschen Jugendinstituts.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sagte: "Wir sind bei der Kinderbetreuung auf einem guten Weg - aber noch nicht am Ziel." Die Bundesregierung werde bis 2017 eine weitere Milliarde für den Kita-Ausbau zur Verfügung stellen. "Dabei legen wir den Schwerpunkt auf Ganztagesbetreuung und gesunde Verpflegung." Weitere 400 Millionen Euro würden für die Sprachförderung in Kitas mit hohem Migrantenanteil eingesetzt. Im Herbst soll es einen Runden Tisch mit Ländern, Kommunen, Trägern, Eltern und Gewerkschaften zur Qualität der Kinderbetreuung geben.

60 Prozent der Kita-Eltern bezeichneten es bei einer Umfrage im Auftrag des Ministeriums als "nicht schwierig", ein Betreuungsangebot zu finden. Immerhin klagten jedoch auch 20 Prozent über Probleme. Seit Einführung des Rechtsanspruchs auf ein Betreuungsangebot gab es laut einer Abfrage bei den Jugendämtern 242 Elternklagen vor den Verwaltungsgerichten. Dabei geht es zum Teil aber auch um Gebührenfragen und um die Zumutbarkeit von Entfernungen bei angebotenen Plätzen.

Aus Sicht der Diakonie ist die gestiegene Zahl der Plätze höchst erfreulich, nun müsse etwas zur Verbesserung des Standards getan werden. "Jetzt ist es an der Zeit, endlich in die Qualität der Kindertagesbetreuung zu investieren", sagte Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland, laut Mitteilung. Jede Kita müsse ein Familienzentrum werden, dafür seien qualifizierte Fachkräfte nötig. Die Linksfraktion im Bundestag forderte ein Kitaqualitätsgesetz.

Kita-Platz erst für jedes dritte Kind

Berlin/Wiesbaden - Bund und Kommunen haben große Anstrengungen unternommen - aber beim Ausbau der Kinderbetreuung für unter Dreijährige gibt es immer noch erheblichen Nachholbedarf.

  • Trotz verstärkter Anstrengungen gibt es beim Ausbau der Kinderbetreuung noch erheblichen Nachholbedarf.

    Trotz verstärkter Anstrengungen gibt es beim Ausbau der Kinderbetreuung noch erheblichen Nachh...
    Quelle: Julian Stratenschulte/Archiv

  • Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen ist nach wie vor deutlich höher als das Angebot.

    Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen ist nach wie vor deutlich höher als das Angebot.
    Quelle: Angelika Warmuth