Berlin - Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hat eine Überarbeitung der Regularien des Presserats gefordert.

Auswüchse in der Berichterstattung ließen sich so im Interesse des Ganzen strenger ahnden, sagte Wulff dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Die Medien müssten sich immer wieder kritisch fragen, ob sie mit ihrer großen Macht auch verantwortungsvoll und korrekt umgingen.

"Was ich beklage, ist die Verrohung des Diskurses, diese ganze Häme, mit Diffamierung und Denunziationen", sagte Wulff, der 2012 nach einer durch Medienberichte ausgelösten Affäre über die angebliche Annahme von Vorteilen als Bundespräsident zurückgetreten war. Ein Korruptionsprozess in Hannover endete mit einem Freispruch für Wulff.

Selbstkritisch räumte der 55-Jährige ein, dass er es im privaten Bereich bisweilen an Fingerspitzengefühl habe fehlen lassen, etwa bei seinem Ferienaufenthalt im Haus des befreundeten Unternehmers Carsten Maschmeyer. Ein Bundespräsident sollte Distanz wahren, sagte Wulff. "Und diese Distanz war bei diesem Urlaub, obwohl ich ihn selbst bezahlt habe, nicht gewahrt. Aber wenn Sie solche Maßstäbe an Politiker so unbarmherzig und rigoros anlegen, dann können Sie sich Politiker künftig im Kloster ausleihen."