München - Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, Beate Zschäpe, muss ihre drei bisherigen Anwälte gegen ihren Willen behalten.

Das Münchner Oberlandesgericht (OLG) hat den Wunsch der mutmaßlichen Neonazi-Terroristin nach neuen Pflichtverteidigern abgelehnt, wie der Vorsitzende Richter Manfred Götzl am Dienstagnachmittag zu Beginn der Hauptverhandlung bekanntgab. Zschäpes Begründung für ihren spektakulären Schritt war demnach juristisch nicht ausreichend. Der Prozess wurde anschließend wie geplant fortgesetzt - mit belastenden Aussagen von zwei einstigen Urlaubsbekanntschaften des NSU-Trios.

Zschäpe hatte vergangene Woche völlig überraschend erklärt, ihren drei Verteidigern Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm nicht mehr zu vertrauen. Das OLG verlangte daraufhin eine schriftliche Begründung. Darin legte Zschäpe nach Ansicht des Gerichts nicht ausreichend stichhaltig dar, warum das Vertrauensverhältnis zu ihren Anwälten endgültig und nachhaltig erschüttert sein soll - das wären die Voraussetzungen für einen Wechsel der Verteidiger gewesen.

Götzl sagte als Grund für die Ablehnung von Zschäpes Antrag, dieser habe keine konkreten und hinreichenden Anhaltspunkte dafür enthalten, dass das Vertrauensverhältnis zu ihren Anwälten so nachhaltig gestört sei, dass eine sachgerechte Ausübung des Mandats für ihn als Vorsitzenden erkennbar unmöglich wäre. Zschäpe kann ihre Anwälte nicht selbst entlassen, weil es sich um gerichtlich bestellte Pflichtverteidiger handelt - die Entscheidung liegt beim Gericht.

Die Atmosphäre zwischen Zschäpe und ihren Verteidigern wirkte angespannt - schon als die Hauptangeklagte den Gerichtssaal betrat. Anders als sonst unterblieben etwa Plaudereien vor Beginn. Zudem sprach Zschäpe, anders als bisher üblich, allein mit Stahl.

Die junge Zeugin, die das unter Pseudonymen auftretende NSU-Trio einst in einem Urlaub kennenlernte, berichtete unter anderem, dass Zschäpe stets die Urlaubskasse der drei verwaltet habe. Zschäpe hatte demnach "ein großes Portemonnaie, das immer voll mit Scheinen war, sogar Fünfhunderter", sagte sie. Für die Anklage ist dies ein Indiz für Zschäpes Mittäterschaft.

Diese heute 21-Jährige berichtete zudem, dass die beiden Männer einmal erzählt hätten, wie man eine Bombe baut. Sie hätten viele Späße gemacht und viele Geschichten erzählt, sagte die Zeugin. Dabei sei es einmal auch um Bomben gegangen. "Die Männer haben über Bomben erzählt, als hätte das jeder in der Jugend gebaut." Einer der beiden habe sie gefragt: "Was, du hast noch nie eine Bombe gebaut?" Dann hätten sie ihr erklärt, wie das gehe. Es habe sie aber nicht interessiert. Auch eine weitere Zeugin berichtete von Gesprächen über den Bau von Bomben. Da sei aber von "Jugendsünden" die Rede gewesen.

Die 21-Jährige warf der Angeklagten außerdem schweren Vertrauensbruch vor. Zschäpe sei für sie wie eine Freundin gewesen, mit der sie auch persönliche Dinge besprochen habe. "Als
ich dann die Nachrichten im Internet gesehen habe, ist für mich eine Welt zusammengebrochen", sagte sie. "Mich hat das anfangs ziemlich belastet." Vorübergehend habe sie eine Therapie benötigt.Die junge Frau brach während ihrer Aussage immer wieder in Tränen aus.


Die Bundesanwaltschaft wirft Zschäpe Mittäterschaft bei den zehn Morden und den Sprengstoffanschlägen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" vor. Sie soll beim Zerstören der Zwickauer Wohnung zudem den Tod ihrer alten Nachbarin billigend in Kauf genommen haben.