Lüchow - Das umstrittene Erkundungsbergwerk Gorleben soll bis auf weiteres weitgehend geschlossen werden. Die Bundesregierung und Niedersachsen verständigten sich darauf, die Arbeiten in dem Salzstock bis zu einer endgültigen Entscheidung über den künftigen Standort eines deutschen Atommülllagers auf ein Minimum zu reduzieren.

Demnach sollen sowohl der Erkundungsbereich I als auch ein Großteil der Infrastruktur außer Betrieb genommen werden. Zudem würden die hohen Stacheldrahtzäune um die Anlage auf einen "normalen industriellen Standard" zurückgebaut und der Besucherbetrieb eingestellt.

"Alles was verzichtbar ist, soll nicht mehr stattfinden", sagte der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, am Dienstag in Lüchow. Er war in Vertretung der zuständigen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) gekommen. Mit der Einigung gebe der Bund ein klares Signal für den Neubeginn bei der Endlagersuche, ließ Hendricks schriftlich mitteilen.

Mit dem Rückbau könne vermutlich Anfang 2015 begonnen werden, sagte Flasbarth. Wolfram König, Präsident des für den Standort zuständigen Bundesamtes für Strahlenschutz, sagte, er freue sich über den Kompromiss. Zumindest für die Übergangszeit des Rückbaus - laut König und Flasbarth rund zwei Jahre - gebe es für die rund 120 Mitarbeiter eine Planungssicherheit. Wie viele im dann folgenden Offenhaltungsbetrieb noch gebraucht werden, müsse sich zeigen.

Mit der Vereinbarung werde auch technisch das Ende der jahrzehntelangen Vorfestlegung Gorlebens als Endlagerstandort eingeläutet, sagte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne).

Kritiker des Standort Gorlebens bezeichneten die Einigung als "Schritt in die richtige Richtung." Der Standort darf aus ihrer Sicht aber nicht weiter offen gehalten werden. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Danneberg und die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt kritisierten, dass ihre Forderung nach einer vollständigen Verfüllung der Schachtanlage nicht umgesetzt werde. Dadurch behalte Gorleben bei der Endlagersuche seinen Vorsprung gegenüber alternativen Standorten.

Kritik kam auch von den Gorleben-Befürwortern. Wertvolle Langzeitinformationen über das geologische Verhalten gingen künftig verloren, sagte Ralf Güldner, der Präsident des Deutschen Atomforums.

Der Salzstock Gorleben wurde trotz massiver Proteste mehr als 35 Jahre lang erkundet, mehr als 1,6 Milliarden Euro wurden investiert. Seit der Verabschiedung des Endlagersuchgesetzes Ende Juli 2013 ruhen die Arbeiten unter Tage.