Bielefeld - Tausende Jesiden und irakischstämmige Christen haben am Samstag ein rasches Eingreifen gegen die grausamen Verbrechen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Nordirak gefordert.

"Das ist kein Krieg, sondern Völkermord", "Stoppt IS", "Rettet die Christen" stand auf Plakaten der Kundgebung in Bielefeld. Die Polizei sprach von 6000 Demonstranten, die Veranstalter schätzten ihre Zahl auf 10 000.

Unter dem Eindruck der Berichte aus dem Nordirak forderte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), die schwarz-rote Regierung auf, ihre Haltung in der Irak-Krise grundlegend zu ändern. Außerdem solle den "um ihr Leben rennenden Menschen vorübergehend in Deutschland Zuflucht gegeben werden, bis sich die Lage verbessert", sagte er der "Welt am Sonntag".

Die Bundesrepublik müsse sich zusammen mit der Europäischen Union (EU) "aktiv dafür einsetzen, dass der Terrororganisation IS innerhalb des Irak und in der Region die politische Unterstützung entzogen wird", sagte Röttgen. Soweit möglich, solle im Irak humanitäre Hilfe geleistet werden.

Die Kundgebung in der ostwestfälischen Stadt verlief friedlich. Nach dem Auftakt mit Reden überwiegend in kurdischer Sprache begann ein Demonstrationszug durch die Stadt. Auch viele Frauen und Kinder waren dabei, es wurden kurdische Flaggen geschwenkt. An der Demonstration nahmen auch zahlreiche irakischstämmige Christen teil, die ebenso wie die Jesiden von den IS-Terroristen vertrieben und verfolgt werden.

Nach UN-Angaben sind seit Montag rund 200 000 Menschen im Irak aus ihren Häusern vertrieben worden. Die meisten stammen aus christlichen und jesidischen Dörfern im Nordirak. In Deutschland leben nach Schätzung bis zu 90 000 Jesiden.

Die Polizei hatte sich mit einem großen Aufgebot vorbereitet, nachdem am Mittwoch demonstrierende Jesiden wenige Kilometer von Bielefeld entfernt in Herford angegriffen worden waren. Sie hatten ein Plakat mit einem Demonstrationsaufruf gegen die Verfolgung der Jesiden in ein Schaufenster geklebt. Daraufhin wurden sie von mehreren Männern angegriffen, die meisten von ihnen stammten aus Tschetschenien.

Nach Information der Zeitung "Westfalen Blatt" sind unter ihnen auch Salafisten, die von den Sicherheitsbehörden beobachtet werden. Die Behörden wollten sich dazu nicht äußern.

Zum Ende der Demonstration am Samstag kam es zu einem kurzen Tumult am Kundgebungsort. Ausgelöst von unbedachten Äußerungen einer Gruppe Passanten seien zahlreiche Jesiden zusammengeströmt, berichtete die Polizei. Eine Hundertschaft Beamte trennte die Gruppen. Ein Mann griff Polizisten mit einer Dachlatte an. Er wurde festgenommen. Bei den Passanten habe es sich nicht um Salafisten oder andere radikale muslimische Gruppierungen gehandelt, wurde betont.

Auch in Hessen gab es am Samstag Proteste gegen die Terrormiliz IS. Insgesamt wurden 1000 Teilnehmer gezählt. Die Protestmärsche in der Frankfurter Innenstadt und im osthessischen Bad Hersfeld verliefen friedlich.