Berlin - Die Bundesregierung plant aktuell keine zusätzlichen Hilfen, um allen Kindern aus armen Familien eine Urlaubsreise zu garantieren. Das hatten die Linke und Sozialverbände gefordert.

Sprecher des Familien- und des Arbeitsministeriums verwiesen in Berlin auf bereits bestehende Angebote der verschiedenen Sozialverbände, Kirchen und den rund 100 Familienferienstätten in Deutschland. Zum Teil würden diese Einrichtungen auch mit erheblichen Mitteln des Bundes unterstützt.

Anlass der Äußerungen sind Forderungen der Linken-Parteichefin Katja Kipping und des Hauptgeschäftsführers des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider, in der "Welt" (Montag) nach Finanzhilfen für Urlaubsreisen von Kindern aus armen Familien.

Es müsse garantiert sein, dass vor Ort über die Jugendverbände Freizeitfahrten und Ferienreisen angeboten würden und kein Kind ausgeschlossen bleibe, nur weil es kein Geld habe, sagte Schneider. Kipping forderte Urlaubsgutscheine und kostenlose Reisen für die Kinder.

Das Bundesarbeitsministerium verwies darauf, dass im Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder von Langzeitarbeitslosen und bedürftigen Eltern bereits ein monatlicher Zehn-Euro-Zuschuss für Vereinsmitgliedschaften enthalten sei. Zudem sei im Hartz-IV-Regelsatz oder der Grundsicherung bereits ein Anteil für Reisen berücksichtigt. Die Eltern seien aber nicht verpflichtet, dieses Geld auch für den Urlaub ihrer Kinder einzusetzen. Für ein- oder mehrtägige Klassenfahrten gebe es Zuschüsse auf Antrag.

Im Bundesfamilienministerium wurde auf die Vielzahl von Urlaubsangeboten für Kinder von freien Trägern, Kommunen und Ländern hingewiesen. Die Familienferienstätten, die vor allem kinderreichen Eltern Angebote machten, würden auch vom Bund unterstützt. Eine nützliche Übersicht stelle der Katalog der Bundesarbeitsgemeinschaft -Familienerholung dar. Er enthalte auch eine Liste der Familienferienstätten. Kirchen und soziale Träger würden zudem auch helfen, Zuschüsse der Kommunen zu bekommen.

Zu der Forderung der Linken nach Urlaubsgutscheinen für Kinder sagte Schneider, einen "neuen Gutscheinmurks", wie es ihn beim Bildungs- und Teilhabepaket im Jahr 2011 gegeben habe, müsse verhindert werden. "Es muss vor Ort geregelt werden, wie die Förderung passiert. Jugendverbände haben hier eine Schlüsselrolle einzunehmen."

Kipping hatte für bedürftige Erwachsene Urlaubsgutscheine in Höhe von 500 Euro und für Kinder kostenlosen Urlaub in Ferienlagern angeregt. Ihrer Meinung nach sollten Kinder zwei Wochen lang kostenfrei Urlaub in einem Ferienlager oder bei Ferienfreizeiten machen können.

Der Präsident des Deutschen Familienverbandes, Klaus Zeh, sagte: "Die gemeinsam verbrachte Zeit von Eltern mit Kindern, fernab von Alltagssorgen, ist im Hinblick auf ihre stabilisierende Wirkung nicht zu unterschätzen." Wie Schneider wandte sich auch Zeh allerdings gegen eine Gutscheinlösung.

Der familienpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Marcus Weinberg (CDU), sprach sich in der "Welt" für Nachbesserungen beim Bildungs- und Teilhabepaket aus. Zudem müssten bestehende Angebote der Kinder und Jugendhilfe weiterentwickelt werden.