Berlin - Immer mehr Menschen aus EU-Krisenländern finden Arbeit in Deutschland. In den zwölf Monaten zwischen Mai 2013 und Mai 2014 zählte die Bundesagentur für Arbeit 1,25 Millionen zugewanderte Arbeitnehmer aus Osteuropa und den Mittelmeerstaaten Griechenland, Italien, Spanien und Portugal.

Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 1,07 Millionen. Der überwiegende Teil fand eine sozialversicherungspflichtige Stelle, wie aus Erhebunger der Nürnberger Behörde hervorgeht.

Besonders stark war die Job-Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien. Die Zahlen stiegen um 54,4 Prozent auf 239 995. Die Sprecherin der Bundesagentur, Frauke Wille, bezeichnete diese Entwicklung am Dienstag allerdings als "nicht besonders bemerkenswert", da rumänische und bulgarische Staatsbürger erst seit Jahresbeginn volle Freizügigkeit innerhalb der EU genießen und sich darum erst seit Januar 2014 ohne Beschränkung in Deutschland niederlassen dürfen.

Auch die Arbeits-Zuwanderung aus Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Estland, Lettland und Litauen legte um 17 Prozent zu. Aus diesen acht Ländern kamen insgesamt 492 989 Menschen, die einen Job fanden. Bürger dieser Länder genießen seit Mai 2011 Freizügigkeit. Die größte Gruppe der Arbeitsmigranten kommt aus Griechenland, Italien, Spanien und Portugal. 520 791 Menschen aus diesen Ländern fanden in Deutschland neue Arbeit (plus 6,9 Prozent).

Vor allem Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien werden nach Erkenntnis der Arbeitsagentur vergleichsweise niedrig entlohnt. Im Mittel bekämen sie 1860 Euro brutto pro Monat, während das gemittelte Gehalt eines deutschen Arbeitnehmers bei 2920 Euro liege, teilte die Sprecherin mit. Ein knappes Viertel aller Arbeits-Zuwanderer ist der Statistik zufolge ausschließlich geringfügig beschäftigt.

Gestiegen ist auch die Zahl der EU-Zuwanderer, die staatliche Unterstützung zum Lebensunterhalt bekommen. "Dabei handelt es sich eher um Leistungen wie Wohngeld, weniger um Hartz IV", sagte die Sprecherin.

Die Zahl der Leistungsbezieher stieg zwischen April 2013 und April 2014 auf 300 901. Das hatte zuerst die "Bild"-Zeitung berichtet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das eine Steigerung um 21,6 Prozent (absolut: 53 512). Wie viele von ihnen den Lebensunhalt mit Hartz IV bestreiten und wie viele nur sogenannte Aufstocker sind, ist nach Aussage der Sprecherin aber statistisch nicht herauszurechnen.

Die Bundesregierung will nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am 27. August ihr Gesetzpaket auf den Weg bringen, mit dem ein Missbrauch von Sozialleistungen durch Zuwanderer härter bestraft werden und Städte mit hoher Zuwanderung finanziell entlastet werden sollen.

Bei "Rechtsmissbrauch oder Betrug" könnten Zuwanderer ausgewiesen und mit Wiedereinreisesperren belegt worden, zitiert das Blatt aus dem Abschlussbericht der zuständigen Staatssekretärsrunde. Die Kommunen sollen demnach noch im Jahr 2014 zusätzlich 25 Millionen Euro für Hartz-IV-Ausgaben erhalten. Im Ganzen sollten sie um 200 Millionen Euro entlastet werden.