Berlin - Die niedergelassenen Ärzte in Deutschland gehen mit Forderungen im Gesamtvolumen von bis zu fünf Milliarden Euro in die Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen.

Wie der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, erläuterte, setzen sich diese Forderungen vornehmlich aus zwei Posten zusammen: Aufhebung der Budget-Begrenzung und höhere Ärzte-Vergütungen.

Zwischen der KBV und dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) beginnen an diesem Mittwoch die Honorarvertragsverhandlungen für 2015. Die zweite Runde ist eine Woche später angesetzt. Die KBV verwies wiederholt auf die derzeit gute finanzielle Lage der Krankenkassen.

Gassen argumentierte, zur Zeit würden zehn Prozent der ärztlichen Leistungen nicht abgegolten - das habe 2013 rund 2,3 Milliarden Euro entsprochen. Bei der Anhebung der Vergütung sei das Gehalt eines Oberarztes ein Richtwert. Dieses liege derzeit bei 133 000 Euro im Jahr. Damit Kassenärzte ein vergleichbares Einkommen erzielten, müssten insgesamt rund drei Milliarden Euro zusätzlich ins System gegeben werden, sagte Gassen.

Gassen machte deutlich, dass man mit den Kassen auch über eine schrittweise Umsetzung der Forderungen sprechen könne. Die GKV bezweifelt die KBV-Berechnungen. Sie verweist auf das Statistische Bundesamt, wonach 2011 der Jahresüberschuss je Vertragsarzt bei durchschnittlich 166 000 Euro gelegen habe.

Nach seiner Ansicht müsste die Debatte über zu lange Wartezeiten in Arztpraxen an die Aufhebung der Budgetierung geknüpft werden, sagte Gassen. Denn hinter kürzeren Wartezeiten stecke auch die Erwartung, Leistungen schneller zu erbringen. Der KBV-Chef unterstrich: "Für begrenzte Geldmengen kann man nur begrenzte Leistungen fordern." Dieses Problem wollten die Vertragsärzte mit den Kassen klären und keineswegs auf dem Rücken der Patienten austragen.

KBV-Vorstandsmitglied Regina Feldmann sagte, für Hausärzte im ländlichen Raum sei die Arbeit in Teamstrukturen sehr wichtig. Das bedeute eine deutliche Steigerung der Praxiskosten für qualifizierte Praxismitarbeiter.

Im vergangenen Jahr hatten die Kassenärzte und Psychotherapeuten bis zu 800 Millionen Euro mehr ausgehandelt. Vor zwei Jahren wurden den Ärzten nach heftigen Auseinandersetzungen 1,15 bis 1,27 Milliarden Euro Honorarplus zugestanden - verlangt hatten sie 3,5 Milliarden.

Mit einer gewissen Signalwirkung hatte Mitte vergangener Woche das Bundessozialgericht in Kassel Sachsen-Anhalts niedergelassenen Ärzten ein Einkommensplus verweigert. Die Ärzte hatten wegen der häufigeren Erkrankung der im Schnitt auch älteren Menschen in Sachsen-Anhalt einen größeren Anteil am bundesweiten Budget gefordert. Laut Sozialgericht gibt es auch in anderen Regionen Forderungen nach höheren Vergütungen für Ärzte.