Kiel/Brunsbüttel - Die 631 Atommüll-Fässer in den unterirdischen Lagerstätten im Kernkraftwerk Brunsbüttel sind teilweise in desaströsem Zustand. Bei Untersuchungen wurden zehn weitere Rostfässer mit schwach- und mittelradioaktivem Müll entdeckt.

Anders als in bisherigen Fällen sei der Inhalt von manchen Fässern ausgetreten, sagte Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwoch in Kiel. Dies sei eine neue Dimension.

Auf einer Folie am Boden der unterirdischen Lagerstätte sei eine breiige Masse mit dem radioaktiven Stoff Cäsium 137 festgestellt worden. Wegen der meterdicken Betonwände bestehe weder für Mitarbeiter noch für die Bevölkerung Gefahr, versicherte Habeck. Auch ein Durchsickern ins Grundwasser sei ausgeschlossen.

Habeck forderte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) auf, bundesweit den Zustand von Atommüllfässern in vorläufigen Lagerstätten von Kernkraftwerken kontrollieren zu lassen. Nach dem Fund des ersten Rostfasses in Brunsbüttel 2012 habe der Bund zwar ein Meldesystem eingeführt. Bisher sei aber lediglich ein einziges weiteres defektes Fass aus Niedersachsen gemeldet worden.

Eine Sprecherin des Bundesumweltministerium sagte, das Ministerium habe im März 2012 die Länder um Berichte zu den in ihrer Zuständigkeit lagernden radioaktiven Abfällen gebeten. Über vergleichbare Fälle hätten die zuständigen Landesbehörden bislang nicht berichtet.

Vom Betreiber forderte Habeck bis Ende September ein neues Bergungskonzept, um die Fässer "schnellstmöglich" aus den Lagerstätten, den Kavernen, zu holen und den Inhalt in endlagerfähige Container umzufüllen. Der bisherige Plan sei nicht mehr verlässlich, da die Deckel einiger Fässer defekt seien und diese nicht mehr von oben anzuheben seien.

Vattenfall-Sprecherin Sandra Kühberger sagte, die Beton-Kavernen seien sicher. Sie kündigte an, dass Vattenfall nach dem Inspizieren aller sechs Kavernen bis Anfang 2015 die Rostfässer bergen, in endlagerfähige Container umfüllen und zunächst in einer Halle des AKW Brunsbüttel aufbewahren werde - bis ein Transport nach Schacht Konrad möglich sei. Zur Forderung nach einem neuen Bergungssystem sagte Kühberger, dies werde in Absprache mit der Atomaufsicht weiterentwickelt.