Die Hauptstadt soll der tristen Gegenwart entfliehen und auf den Olymp schauen. "Berlin kann Olympia", sagt trotzig ihr oberster Repräsentant Klaus Wowereit der "Welt am Sonntag". Das mag damit zusammenhängen, dass noch ein paar Jährchen ins Land gehen werden, bevor er oder praktischerweise sein Nachfolger das beweisen muss.

Eine andere Theorie vermutet eine List dahinter. Olympia würde eine zeitlang die Organisationskraft der renitenten Nein-Sager, die in der Berliner Bevölkerung am besten organisiert sind, binden. Gerade haben sie die Bebauung der Tempelhof-Brache gestoppt. Nun müssen sie Olympia verhindern. Das erhöht die Chancen des Berliner Bausenators, zumindest ein paar kleine Projekte zu verwirklichen.

Vielleicht schaffen die Berliner auch, das Freiheits- und Einheitsdenkmal fertigzustellen. Der Bund nörgelt schon. Das einzige Großprojekt in Stadt und Land, das planmäßig Gestalt annimmt, ist das Berliner Schloss. Ausgerechnet jetzt meldet die "Berliner Zeitung", dass Berlin in Erwägung zieht, sich aus der Bund-Land-Baugruppe zurückzuziehen, die das Schloss errichtet. Berlin ist klamm und will das Geld zurück. Bei Olympia spielt Kohle für Wowereit dagegen keine Rolle. Das soll nämlich vom Bund kommen. Hat ja bei seinem Großflughafen gut geklappt.

Misstrauisch sollte es uns machen, dass der große Aufsichtsratsvorsitzende im Olympia-Interview zwar fertige Sport- und Wohnstätten bis Olympia 2028 ankündigt, aber den Flughafen BER unerwähnt lässt. Es bleibt aber die Hoffnung, dass Berlin sich auch aus der BER-Baugruppe verabschiedet.