Berlin - Die Bundesregierung will bei Entführungen von Deutschen im Ausland auch künftig bei ihrer bisherigen Linie bleiben.

Zu den genauen Umständen der Freilassung eines 27-jährigen Mannes aus Brandenburg, der von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ein Jahr lang verschleppt war, wollte sich das Auswärtige Amt nicht äußern. Ministeriumssprecher Martin Schäfer bekräftigte jedoch: "Die Bundesregierung ist nicht erpressbar." Auch in diesem Fall seien "keine öffentlichen Mittel" geflossen.

Der Kochlehrling aus der Nähe von Strausberg war im Juni vergangenen Jahres im Grenzgebiet zwischen der Türkei und Syrien entführt worden. Im Frühjahr verlangte die IS mit einem Video Lösegeld. Über seine Freilassung wurde dann monatelang verhandelt. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung willigte die Familie schließlich ein, Lösegeld zu zahlen. Im Juni kam er dann frei. Die Federführung in solchen Fällen hat der Krisenstab des Auswärtigen Amts (AA).

AA-Sprecher Schäfer sprach von einer "weltweit operierenden Entführungsindustrie", in deren Fänge leider auch Deutsche gerieten. Die Bundesregierung habe die "gesetzliche Pflicht" und auch die politische Verantwortung, in solchen Fällen alles zu tun, um zu helfen. Schäfer wollte nicht sagen, wie viele Bundesbürger derzeit im Ausland entführt sind. Leiter des Krisenstabs ist seit kurzem der frühere deutsche Botschafter in Afghanistan, Rüdiger König.