Für die Arbeiter der isländischen Straßenbaufirma war es bloß ein profaner Stein, der da im Weg lag. Für Ragnhildur Jónsdóttir war es viel mehr: Eine Elfenkirche sollte da einfach wegplaniert werden. Das wiederum wollte sie verhindern und warf sich vor die Baumaschine. Immerhin hatten die Elfen die 54-Jährige zu ihrer Sprecherin erkoren und ihr Abenteuer versprochen. Ob der Aufenthalt im Gefängnis für die Frau abenteuerlich war, weiß nur sie selbst. Denn für den Eingriff in den Straßenbau wurde sie erst einmal verhaftet. Erfolg hatte sie trotzdem.

Nicht unbedingt wegen der Hilfe der Elfen, sondern wegen vieler menschlicher Unterstützer, die mit Briefen an Politiker und Behörden eine Versetzung der Elfenkirche erreicht haben. Ein großer Kran soll den zarten Elfen unter die Flügel greifen und deren Kirche an einen anderen Ort hieven. So lange ruht der Straßenbau. Laut Jónsdóttir ist damit ein Ort, an dem Menschen und Elfen gemeinsam beten und Rat suchen können, gerettet.

So viel Einsatz für ein paar Elfen (Isländisch: Huldufolk)ist auf der Insel nicht ungewöhnlich. Ein Lokalpolitiker hat, nachdem er einen schweren Autounfall überlebte, einen Hügel versetzen lassen, der von Huldufolk bewohnt wird. Auch der sollte einer Straße weichen. Jetzt wohnen die Elfen bei ihm zu Hause im heimischen Garten und beschützen, hoffentlich, sein Haus.