Minsk (dpa) l Nach der Einigung zwischen Kiew und prorussischen Separatisten auf eine Waffenruhe in der Ostukraine haben beide Seiten von einem Ende der Kämpfe berichtet. Das teilten der ukrainische Sicherheitsrat und die Aufständischen am Freitag russischen Agenturen zufolge mit. Um Punkt 18 Uhr (Ortszeit) sei das Feuer eingestellt worden, sagte der Sprecher des Sicherheitsrats, Andrej Lyssenko. Ein zudem geplanter Austausch von Gefangenen beginne voraussichtlich am heutigen Sonnabend, kündigte er an. Die Separatisten halten nach eigenen Angaben mehr als 1000 ukrainische Soldaten gefangen, die prowestliche Regierung demnach etwa 200 moskautreue Kämpfer.

Beim Treffen der Kontaktgruppe in der weißrussischen Hauptstadt Minsk "wurde ein vorläufiges Protokoll für eine Einstellung des Feuers unterzeichnet", hatte zuvor der ukrainische Präsident Petro Poroschenko mitgeteilt. "Die ganze Welt strebt nach Frieden. Nach Frieden strebt die ganze Ukraine - einschließlich der Millionen Bewohner des Donbass." Der Kreml begrüßte die Einigung auf eine Waffenruhe.

Ziel bleibt Abspaltung

Auch Separatistenführer Andrej Sachartschenko im ostukrainischen Donezk ordnete eine Feuerpause an. Die Einigung bedeute aber nicht, dass die Aufständischen ihr Ziel einer Abspaltung von der Ukraine aufgäben, sagte ein Separatistenführer in Lugansk russischen Agenturen zufolge.Es ist die erste von beiden Seiten vereinbarte Waffenruhe seit Beginn der ukrainischen "Anti-Terror-Operation" im April. Eine frühere Feuerpause hatte die Ukraine einseitig ausgerufen, diese war aber brüchig gewesen.

Vereinbart wurde in Minsk ein aus zwölf Punkten bestehendes Protokoll: Darin einigten sich beide Seiten auch auf einen Austausch von Gefangenen und auf eine Kontrolle der Feuerpause durch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Diese Aspekte waren auch Teil eines Friedensplans von Kremlchef Wladimir Putin.