Washington - Die Deutschen sehen die USA laut einer aktuellen Umfrage so kritisch wie lange nicht mehr. Nur noch 58 Prozent der Bundesbürger hätten eine positive Meinung von den Vereinigten Staaten.

Das teilte das US-Institut German Marshall Fund (GMF) am Mittwoch in Washington mit. Im Vorjahr waren es noch 68 Prozent.

Vor allem US-Präsident Barack Obama erlebte einen herben Imageverlust. Lediglich 56 Prozent der Deutschen sind demnach einverstanden mit seiner Außenpolitik - das sind ganze 20 Prozentpunkte weniger als 2013. Zum Vergleich: 2010 äußerten noch 87 Prozent Zustimmung.

Im Durchschnitt der Ergebnisse aus allen europäischen Ländern kommt Obama noch auf 64 Prozent Wohlgefallen. Schlechter steht der Präsident allerdings im eigenen Land da. Erstmals sind mehr Bürger gegen seine Außenpolitik als dafür.

Einer der Gründe für die abgekühlte Liebe der Deutschen zu dem Präsidenten sei die Affäre um die umfassenden Spähangriffe des US-Geheimdienstes NSA, heißt es in der jährlich erscheinenden Studie Transatlantic Trends. Die Behörde spähte auch das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aus.

"Die Turbulenzen in den transatlantischen Beziehungen während des vergangenen Jahres spiegeln sich in den Daten wider", erklärt die GMF-Präsidentin Karen Donfried. Allerdings machten aktuelle Krisen wie in der Ukraine und im Nahen Osten deutlich, wie wichtig die Kooperation im Atlantik-Raum bleibe.

Die Deutschen ziehen konkrete Konsequenzen aus ihrem Verdruss über die Amerikaner: Erstmals seit Beginn der Erhebung vor zwölf Jahren will eine Mehrheit der Bundesbürger, dass ihr Land sich in der Sicherheits- und Außenpolitik unabhängiger von den USA machen.

57 Prozent der Befragten hätten in der repräsentativen Umfrage diesen Wunsch nach größerer Selbstständigkeit geäußert - 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Im europäischen Durchschnitt liegt der Wert bei 50 Prozent. 19 Prozent in Deutschland möchten dagegen eine engere Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten. 2013 waren es 25 Prozent.

Dennoch meinen laut der Umfrage noch immer 60 Prozent der Deutschen, dass die USA in der Welt eine starke Führungsrolle haben sollten. Der Wert ist im Vorjahresvergleich lediglich um 3 Prozentpunkte gesunken. Viel wichtiger ist den Deutschen aber eine globale Führungsrolle der Europäische Union. Dafür sprachen sich 87 Prozent der Befragten aus.

An der 13. Befragung dieser Art per Telefon und in persönlichen Interviews nahmen laut dem GMF in 13 Ländern jeweils rund 1000 bis 1500 Menschen teil. Die Umfrage wurde zwischen dem 2. und 25. Juni durchgeführt, also vor jüngsten außenpolitischen Entwicklungen etwa in der Ukraine oder im Irak und Syrien.